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[Die ersten 1000]


[Hart Backbord]


[Israel]


[Ägypten]


[Sudan]


[Äthiopien]


[Tanzania]


[Sambia]


[Botswana oder gegen den Wind]


[Südafrika]


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Die ersten 1000

01.-06.12.2007

Nachdem wir uns endlich von unseren Freunden, Verwandten und Bekannten verabschiedet hatten, ging es Richtung Gö-TZ’s Heimat: der Osten von Deutschland. Schon nach den ersten 100 km lief der Bock nicht mehr rund, er bockte bzw. ging einfach während der Fahrt aus. Guter Rat war teuer: ca. den Jahresbeitrag vom ADAC. Als der nach einer Stunde eingetroffen war, fragte er: „Was soll ich jetzt mit einem Multicar?“. Helfen konnte er uns nicht. Nach kurzer Bedenkzeit viel uns ein, dass Matzen (alter Kumpel von Malte und der wahre König von Milz) auf der Route ca. 100 km weiter wohnte. Schon am Telefon machte er uns klar, dass wir mit einem Multicar in Milz am besten aufgehoben sind. Nach weiteren drei Stunden mit vielen Zwangspausen erreichten wir dann das Königreich von Matthias Peter: Milz (Süd-Thüringen). Bei einer Kanne wurde beratschlagt und das Reparieren auf den nächsten Tag verlegt.

Die Hobbymechaniker des Ortes wurden zum Schrauben am nächsten Morgen eingeladen. Die Sorge den Frachter zu verpassen nahm uns Matzen mit dem Versprechen Gö-TZ auf einen LKW zu laden und nach Italien zu bringen, falls wir es nicht fit bekommen sollten. Das eigentliche Problem (ein verstopfter Filter) wurde schnell behoben und wir erhielten etliche hilfreiche Tipps, wie wir ein Multicar tropentauglich bekommen. Die Idee mit dem Multicar durch Afrika zu fahren erschien hier nicht besonders abwegig. Nach so viel Positivem brachen wir frohen Mutes nach Bayern auf. Und Gö-TZ enttäuschte uns nicht. Nach ca. neun Stunden permantetem Dröhnen erreichten wir Ruhpolding in Oberbayern. Familie Hipf, die Malte von seiner Wanderschaft her kannte, bot uns Obdach an.

Am nächsten Tag konnten wir bei der Zimmerei Haberlander + Plereiter in der Abbundhalle die Kiste alpentauglich machen und endlich mal richtig packen. Draußen fing es an zu schneien und wir freuten uns auf den Süden. Früh am Morgen brachen wir zur Alpenüberquerung auf. Es schneite immer stärker aber Götz hielt sicher die Spur. Einhundert Kilometer und etliche Serpentinen boten dem Spurpiloten Niklas die Gelegenheit sein Können unter Beweis zu stellen. Sicher lenkte er das Gefährt über die Alpen. Es zeigte sich, dass eine klare Aufgabenverteilung im Cockpit von Nöten war: Fahren und Schalten der Eine, Blinker, Scheibenwischerintervallersatz und Kartenlesen der Andere. Auf der Südseite der Alpen begrüßte uns blauer Himmel und Sonnenschein. Eigentlich sollte die Fahrt nach Monfalcone zum Hafen ganz ohne Schwierigkeiten verlaufen. Aber anscheinend wurden in den letzten Jahren in Italien einige neue Orte gegründet und das Strasssennetz neu erfunden. Jedenfalls stimmte die Karten nicht mit der Realität überein. Kartenchef Malte koordinierte uns aber trotzdem ohne Umwege in den sicheren Hafen. Ein Parkplatz bot uns Unterkunft und wir verbrachten die erste Nacht im neuen Zuhause. Kleinere Reparaturen an der Elektroanlage hielten uns nicht davon ab den angefangenen gemütlichen DVD-Abend zu Ende zu bringen.

Nach einem Telefonat mit dem Hafenagenten stellte sich heraus, dass am Donnerstag früh der Frachter auslaufen soll. So blieb uns noch der Mittwoch um durch die Stadt zu eiern und letzte Besorgungen zu machen.

Monfalcone, Nikolaustag 2007

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Hart Backbord

06.-13.12.2007

Sauber sind wir auch auf dem Kahn (MS SPES) gelandet. Viel zu früh standen wir vor der Laderampe. Wir durften schon an Bord, aber der gute Gö-TZ musste ganz alleine am Kai stehen bleiben. Also bezogen wir erstmal unser neues zu Hause. Schnell die DVD-Maschine aufgebaut und den am Vortag erworbenen HiFi-Schrott verkabelt. So konnte der wohl verdienten, entspannten Überfahrt nichts mehr im Wege stehen. Leider mussten wir ständig an unseren dritten im Bunde denken. Von der Angst getrieben, dass wir einfach ohne das Multicar das Festland verließen, gingen wir in regelmäßigen Abständen wieder runter zur Rampe. Aber alles ging gut und so durfte gegen Abend auch Gö-TZ an Bord. Die Küche überraschte uns mit guter italienischer Kost, welche zu einem Drei-Gänge-Menü zusammengestellt wurde. So konnten wir voressen und dann in Afrika eine leichte Frucht- und Wasserdiät machen ohne Angst zu haben, dass wir verhungern. Die einzigen Termine der nächsten Tage sollten das Frühstück, das Mittagessen und das Abendessen sein. Dies war auch genug an Zeiten nach der am Ende doch etwas stressigen Vorbereitungszeit. So konnten wir uns sehr ausgiebig mit Rumliegen, Rumgucken, Rumhängen und Schlafen auseinander setzten. Dieses wurde leider durch einige Landgänge gestört, weil unser guter Kapitän doch eine andere Route fuhr als geplant. Wir kamen in den Genuss von Koper in Slowenien und Piräus in Griechenland. Der Kapitän hackte regelmäßig auf Gö-TZen rum, weil der ja so klein ist. Kleine Andeutungen über die Größe seines Schiffes gepaart mit breitem grinsen gaben ihm genügend Gründe den Fahrpreis um 50 € zu erhöhen und dieses mit gestrecktem Mittelfinger kund zu tun. Während der Mahlzeiten leistete uns ein älteres Paar Gesellschaft welches sich ebenfalls auf dem Weg nach Israel befand. Die anfänglich leichte Konversation wurde von Mahlzeit zu Mahlzeit besonders durch das Zutun des Ehemannes interessanter, der uns mit seinen Weisheiten über die Situation im Osten der EU, den Nahen Osten, über Araber und Beduinen beglückte. Dieses war einer der Gründe, warum wir die Zeiten außerhalb unseres Homekinos auf ein Minimum beschränkten. Neptun war uns wohl gesonnen und die See somit weitgehend ruhig. Dennoch raffte die Seekrankheit Niklas dahin und er beklagte sich über latente Übelkeit und führte enge Konversation mit der Kloschlüssel. Malte kümmerte sich und eröffnete einen Zimmerservice für Speisen und Getränke, der trotz des hohen Fahrpreises nicht zum Service der Crew gehörte. Nach 7 Tagen machte sich Israel am Horizont breit. Der bevorstehende Sabbat sollte die Zollabfertigung von Gö-TZ und unsere Einreise verzögern. Unsere Deutsch-Israelische Mitreisende hätte aber mit ihrem Wagen dasselbe Problem, sodass sie einige Bekannte in Israel anrief. Diese kümmerten sich um einen Beamten der auch am Feiertag arbeitet. Nachdem unser Captain das Boot ordnungsgemäß im Hafen geparkt hatte, waren auch schnell die Vertreter von Recht und Ordnung und der Einwanderungsbehörde da. Ein anstrengendes Verhör sollte klären, ob wir mit bösen Absichten und einem Kofferraum voller Waffen nach Israel gekommen waren. Da wir nichts auf dem Kerbholz hatten, sahen diese beiden netten Beamten schon mal keinen Grund uns nicht einreisen zu lassen. Die erste Hürde war genommen und so konnten wir zu der nächsten Abteilung gehen, die auch noch ein paar Fragen an uns loswurde, uns dann aber die Visa ausstellte. Die letzte Nacht an Bord war kurz da wir früh mit dem Zollbeamten verabredet waren.

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Israel

14.-18.12.2007

Nach viel zu wenig Schlaf ging es früh am Morgen an Land. Gö-TZ sprang an, als hätte er keine Pause gehabt. Gemeinsam mit dem deutschen Pärchen fuhren wir auf Behördenexpedition. Diese begann mit einer simplen Passkontrolle. Weiter ging es zu unserem Hafenagenten, der sein Büro leider außerhalb des Hafens hatte. Deshalb mussten wir das erste Mal durch die Sicherheitsschleuse. Der Sicherheitsdienst war maßlos überfordert, da es nicht üblich ist, Personen mit Fahrzeug sondern Waren einzuführen. Nachdem wir die Frage, ob wir Waffen und Sprengstoff mitführen, verneint hatten, kam: Rücksack auf, alles raus, Gürtel runter, Schuhe aus, Taschenleeren und ab durch den Metalldetektor. Hört sich einfach an, dauerte aber ziemlich lange. Dann kamen wir zum Hafenagenten, dem wir für 2 Blatt Papier einen Haufen Geld hinblättern. Nächster Punkt auf der Tagesordnung war die Zollabfertigung von Gö-TZ, wofür das entsprechende Gebäude wieder auf dem Hafengelände lag. Also durch die Sicherheitsschläuse zurück: „Waffen oder Sprengstoff?“ – „Nein“, Rücksack auf, alles raus, Gürtel runter, Schuhe aus, Taschenleeren und ab durch den Metalldetektor. Dem Zollbeamten, der auch am Freitag arbeitet, gefiel die Haftpflichtversicherung für Gö-TZ nicht, was eine sofortige Einfuhr unmöglich machte. Auch etliche Telefonate mit Niklas’ Vater, der beauftragt wurde eine Versicherung ausfindig zu machen die auch Israel abdeckt, brachten keinen Erfolg ein. Da sich der Sabbat nahte, war es unmöglich in Israel noch eine Versicherung abzuschließen. Also hatten wir erstmal 2 Tage Pause. Zwischendurch verabschiedeten wir uns noch von dem deutschen Pärchen, welches sich redlich bemühte uns durch alle bürokratischen und sprachlichen Hürden zu bringen. Da wir mit dem Sicherheitspersonal mittlerweile per „Du“ waren, konnten wir unser Gefährt ohne Probleme auf dem Hafengelände stehen lassen. Wir sattelten die Hühner und brachen gen Tel Aviv auf um dort das anstehende Wochenende zu verbringen. Zwischen uns und dem Busbahnhof lag neben einigen Kilometern Fußweg lediglich die Sicherheitsschleuse: „Waffen oder Sprengstoff?“ – „Nein“, Rücksack auf, alles raus, Gürtel runter, Schuhe aus, Taschenleeren und ab durch den Metalldetektor. Und so verabschiedeten wir uns erstmal von den etwas anstrengenden aber netten Sicherheitsbeamtinnen.

Tel Aviv

In Tel Aviv angekommen fanden wir mit der freundlichen Hilfe einiger Israelis schnell eine Bleibe bis Sonntag früh (kleiner Hinweis: Sonntag erster Tag der Arbeitswoche). Auffallend waren die bunte Mischung der augenscheinlich zu erkennenden Nationalitäten und deren generelle Freundlichkeit. An diesem Tag wurde früh in einem Glasbiergeschäft Bekanntschaft mit dem leckern heimischen Bier gemacht, so dass wir auch erst spät ins Bett kamen. Der folgende Tag lud zum Erholen, E-Mailen und Telefonieren ein.

Früh am Morgen brachen wir auf nach Ashdod um dort zu erfahren, dass wir schnellstmöglichst nach Tel Aviv müssten um die Autoversicherung für Israel klar zu machen. Während der Hin- bzw. Rückfahrt nach Tel Aviv witzelten wir, dass bei unserem Glück die Versicherungsagentur direkt neben dem Hostel sein müsste, wo wir gepennt hatten. So kam es wie es kommen musste: drei Straßen weiter war sie dann auch tatsächlich. So schmiss uns die ganze Versicherungsaktion nur 4 h zurück und machte uns um einige Kohlen ärmer. Frischen Mutes gingen wir nun Richtung Hafen und mussten wieder einmal durch die Sicherheitsschleuse. Also: „Waffen oder Sprengstoff?“ – „Nein“, Rücksack auf, alles raus, Gürtel runter, Schuhe aus, Taschenleeren und ab durch den Metalldetektor. Mit den Dokumenten ging dann alles relativ schnell von statten. Doch leider ließ uns jetzt Gö-TZ im Stich. Er wollte einfach nicht weg aus dem Hafen, denn er sprang nicht an. Die Starthilfe eines netten Hafenarbeiters half leider nichts und da es schon spät war, mussten wir leider wieder raus aus dem Hafen (ohne Gö-TZ). Die Security gab uns noch den Tipp für ein günstiges Hotel und wer hätte es gedacht diesmal ließen sie uns ohne Kontrolle passieren. Malte kam auf die glorreiche Idee, dass wir die gelben Engel zur Hilfe hohlen sollten, bzw. dass sie uns wenigstens das Hotel zahlen könnten. Etliche Telefonate später hatten wir dafür die Zusage und sie wollten tatsächlich wen vom Pannendienst vorbeischicken. Im Hotel gab es sogar deutsches Fernsehen , sodass der nervige Tag nach ein paar Bier doch recht angenehm ausklang.
Früh ging es mal wieder los Richtung Hafen. Unser Agent hatte uns in der Zwischenzeit wen auf dem Hafengelände organisiert, der Gö-TZ dazu brachte, wieder anzuspringen. Das Salz vom Alpenmassiv und die feuchte Meeresluft hatten die Massekontakte des Motors korrodieren lassen, so dass nicht mehr genug Saft zum Starten kam. Als der Motor lief, mussten wir lediglich die Fahrgestellnummer vergleichen lassen. Aber dieser recht einfache Vorgang stellte sich als sehr kompliziert heraus. Zwar hatten wir einen Haufen an Plaketten und Nummern am Multicar, aber die richtige war nicht dabei. Und auch Uwe Ecks Handynummer auf seinem Werbeaufkleber half nichts, obwohl sie häufig in Augenschein genommen wurde. Da kam es uns in den Sinn, dass Martin noch das Typenschild haben müsste. Tatsächlich stand da auch die richtige Nummer drauf. Der Versand hat aber 100 Euro und 2 Tage gekostet. Ein Anruf bei Multicar brachte uns weiter, da sie uns sagen konnten wo unter dem ganzen Grind des Fahrgestells die Nummer zu finden sei. Als wir diese endlich gefunden hatten, brauchten wir nur noch zwei Stunden um endlich zu dritt in Israel einzureisen. Ein fetter Dank geht noch mal an unseren Hafenagenten Benni, der ständig organisierte, mit dem Zoll sprach, und uns fix aus dem Hafen holte. Er zeigte uns auch noch eine Autowerkstatt, wo wir das Masseproblem entgültig lösen konnten.
So konnten wir am späten Nachmittag endlich auf die Piste Richtung Süden. Dem Ärger nicht genug, mussten wir nach ca. 10 km den ersten Reifenwechsel vornehmen. Einen Pennplatz fanden wir dann neben der Straße unter ein paar Bäumen am Rand der Negev Wüste. Nachdem wir den letzten Sprit aus Italien in den Tank gefüllt hatten, konnten wir dann weiter Richtung Elat und ägyptische Grenze fahren. Die Fahrt durch die Wüste machte Gö-TZ keine Probleme und wir genossen die Aussicht auf die Berge von Sand und Geröll. Was für ein Chaos müsste es wohl sein, wenn das in Deutschland alles Schnee wäre....
Die Ausreise aus Israel ging im Gegensatz zur Einreise relativ einfach und wir brauchten wirklich nur eine knappe Stunde.

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Ägypten oder Al Hamdulila

18.-31.12.2007

Einfache Ausreise Israel, komplizierte Einreise Ägypten: zu erstmal eine einfache Passkontrolle und dann das teilweise Entleeren von der Rumpelkammer (unser Aufbau). Derjenige Chefkontrolleur, der alles durchsuchte, behauptete, dass es auf dem Sinai keinen Diesel gäbe und man mit Allrad auch nur noch 1 km fahren dürfe. Das hielt uns aber nicht ab zur nächsten Etappe auf der Einreise über zu gehen. Nach nur wenig Hin und Her wer uns jetzt einen Einreisestempel geben kann, hatten wir diesen schnell auf dem Visum. Wir gingen zum Zoll und wurden recht freundlich von einem Zollbeamten empfangen, der uns Tee anbot. Er eröffnete uns, dass wir noch eine ganze Menge zu zahlen hätte, für irgendwelche Gebühren. Also wieder zurück und Geld holen. Diverse Büros, Unterschriften, Dokumente (inkl. Allradberechtigungsschein), Stempel und bezahlte Rechnungen später, hatten wir endlich zwei ägyptische Nummernschilder in der Hand. Diese befestigten wir an Gö-TZ und so starteten wir in die ägyptische Dunkelheit. 100 m hinter der Grenze wurden wir noch mal angehalten und wir duften eine Grenzenbenutzungsgebühr bezahlen. Schnell noch den Tank für 4 Euro vollgemacht und los ging es gen Sharm El-Sheikh. Nach ca. 20 km ohne schönen Übernachtungsplatz fragten wir bei einem Strandhotel, ob wir eine Nacht mit dem Auto auf dem Parkplatz bleiben könnten. Mohammed lud uns ein als seine Gäste eine Nacht zu bleiben. Und so durften wir das erste Mal die arabische Gastfreundschaft kennen lernen. Mohammed sprach fließend Englisch, so dass wir uns bei einer Tasse Tee gut unterhalten konnten. Malte erhielt von ihm auch noch einen kostenlosen Tischtennisunterricht. Erst der Morgen zeigte, auf was für einem idyllischen Fleckchen Erde wir uns befanden. Los ging die Fahrt Richtung Zielort. Die Straßen waren gut und an jeder wichtigen Kreuzung gab’s eine Passkontrolle. In Sharm El-Sheik versuchten wir den kaputten Reifen gegen einen Neuen zu ersetzen, was sich als schwieriger herausstellte als gedacht. Nachdem wir einige Läden abgeklappert hatten, sprach uns ein Ägypter an, der recht gut deutsch sprach, da er 20 Jahre in Österreich gelebt hatte. Er machte unser Reifenproblem zu seinem und telefonierte und organisierte herum. Er vergaß natürlich nicht uns erst mal einen Tee anzubieten. Schnell wurden aus einem anliegenden Cafe ein paar Stühle und ein Tisch herbeigezaubert. Diese Stuhl-Tisch-Kombination hatte magische Anziehungskraft, so dass wir bis in die späte Nacht dort verweilten. Langweilig wurde es nicht, da wir willkommene Gesprächspartner für die Inhaber der anliegenden Geschäfte und deren Angestellte waren. Hätten wir so viele Reifen wie Tee an diesem Abend bekommen, hätten wir locker 20 Multicars damit ausstatten können. Aber angeblich es in ganz Ägypten keine passenden Reifen. Dieses eigentliche Problem störte uns aber nicht weiter, da der Spaßfaktor an diesem dunklen Eckchen auf dem Markt von Sharm El-Sheik nicht zu kurz kam. Nach dem gemeinsamen Nachtmahl begaben wir uns zurück zu Gö-TZ, der alleine auf einem großen Parkplatz in mitten der Stadt stand. Hier verbrachten wir auch die Nacht bei lauter arabischer Folkloremusik. Am nächsten Morgen machten wir uns zur Fähre nach Hurgada auf. Statt einem Ticket erhielten wir nur eine Telefonnummer um die Überfahrt zu klären. Also fuhren wir zurück zu unseren Freunden vom Markt, mit deren Hilfe wir dann erfuhren, dass mit dem Auto keine Überfahrt möglich ist. Zwei Tassen Tee später waren wir auch schon wieder auf der Bahn, da wir jetzt den kompletten Sinai umrunden mussten. Gö-TZ erfreute sich wieder an der Fahrt zwischen Wüste und Rotem Meer. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang hatten wir einen wirklich schönen Platz am Strand entdeckt. Leider war dieser nur von kurzer Dauer, da uns bald zwei Soldaten von dort vertrieben. Am nahe gelegenen Hotel bot man uns ein Zimmer für schlappe 90 Dollar pro Person an. Da das unsere Reisekasse um längen gesprengt hätte, fuhren wir weiter durch die Nacht. An der nächsten Tankstelle füllten wir den Tank und der Tankwart erlaubte uns dort zu quartieren. Tankwart 2 war leider dagegen und so musste Malte wieder raus aus dem Schlafsack und rein in die Hose. Schließlich hielten wir am nächsten 24 h Rastplatz an und versuchten erneut unser Glück. Und tatsächlich wurden wir fündig und bis zum nächsten Morgen verscheuchte uns keiner. Der nächste Tag führte uns wieder durch viel Wüste und nach einigen Umwegen sahen wir Kairo am Horizont auftauchen. Unser schäbiges Kartenmaterial geleitete uns in die Armutsviertel am Rand der Stadt. Viele Richtungsfragen später hatten wir Kairo hinter uns und wir waren endlich im Niltal Richtung Süden unterwegs. Leider bracht wieder die Dunkelheit herein und auf den schlechter werdenden Straßen wurde uns das voller Ausmaß ägyptischer Autofahr- und Straßenbaukunst bewusst: Viele Schlaglöcher, Bodenwellen und eine völlig freie Interpretation der Fahrrichtung. Der erste Rastplatz wurde unser nächtliches Zuhause. Für wirklich wenig Geld erhielten wir noch eine warme Mahlzeit und waren bald im Land der Träume. Der erste Blick aus dem Multicar am Morgen ließ uns erschrecken, da außer Nebel nichts zu sehen war. Beim Kaffee in unserem Speiserestaurant erblickten wir das freudige Treiben einiger Ratten. Der Nebel hatte die erfreuliche Folge, dass die Straßen relativ leer waren und wir so nicht Gefahr laufen mussten, Fußgänger, Esel oder Karren über den Haufen zu fahren. Als sich der Nebel lichtete, zeigte sich die ganze Schönheit des Niltals. Kein Vergleich zu den Geröll- und Sandhaufen die wir die letzten Tage gesehen hatten. Wir fuhren zwischen grünen Feldern, Dörfern und Palmen gen Süden. Viele Bodenwellen und Polizeikontrollen später, erreichten wir Assyut. Als wir die stressige Stadt hinter uns gelassen hatten, suchten wir uns wieder einen Pennplatz. Die Besatzung einer Ambulanzstation erlaubte es uns, dort für die Nacht zu bleiben. Den Tee noch nicht ganz ausgetrunken stand aber schon die Militärpolizei auf der Matte, die von der Idee dort zu nächtigen nicht sehr überzeugt war. Mit einem freundlichen „Welcome to Egypt“ wurden wir aufgefordert ihrem Fahrzeug bis zur Bezirksgrenze zu folgen. So standen wir erstmal wieder ohne Pennplatz in der Dunkelheit da. Ein wenig betrübt fuhren wir weiter durch ein paar Ortschaften auf der Suche nach einem Platz für die Nacht. Bei einem einsam gelegenen Haus brannte noch Licht und mit viel Fantasie ließ sich ein Hotel erkennen. Also machten wir Halt und versuchten unser Glück. Mit Hilfe unseres Sprachführers und einen paar Brocken Arabisch erklärten wir dem am Feuer sitzenden Mann unser Begehr. Schnell war wieder Tee da und einige Zigarettenlängen später hatten wir das Gefühl, dass wir hier bleiben konnten. Wie selbstverständlich wurde uns noch ein einfaches aber leckeres Abendessen angeboten. Wir nahmen dankend an, immer noch nicht sicher ob es sich um eine Herberge oder ein Privathaus handelte. Dies ließ sich bis zur Abreise nicht klären, aber wir gehen davon aus, dass es reine Gastfreundschaft war, da wir keinen Piaster dort ließen. Mit Chai und Brot gestärkt fuhren wir weiter. Einige Überhohlmanöver später erreichten wir schon gegen Mittag Luxor. Schnell war ein günstiges Hostel aufgetrieben, wo wir uns den Staub der vergangenen Tage vom Leibe duschen konnten und welches zum Entspannen einlud. Schmerzlich mussten wir feststellen, dass wir nicht braun sonder bloß dreckig geworden waren.

Luxor

Ahmed, der sich später als Cheforganisator und Lakei für Behördengänge entpuppte, witterte das Geschäft und drehte uns eine Tour zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Luxors an. Das waren das Tal der Könige, der Königinnen und ein Palast, der von unserem Guide Hot-Chicken-Soup genannt wurde, da der richtige Name so ähnlich klang aber zu kompliziert zum Merken war. Der Guide brachte nur wenige Informationen, diese aber so oft, dass der Tag schnell gefüllt war. Die Kernaussagen seiner Führung sorgten auch in den nächsten Tagen noch für ein großes Hallo: „Hot Chicken Soup, ya?“
Um den Staub der Wüste wegzuschwemmen genossen wir Kaltgetränke auf der Dachterrasse und verbrachten den Heiligen Abend mit Wasserpfeife und Getränken. Die Dachterrasse wurde für die nächsten drei Tage unser Zuhause. Wir befolgten strickt die Anweisung der Hostel-Besitzerin und bewegten uns kaum. Für Abwechslung sorgte ein Spaziergang am Nil, bei dem wir eine lustige Gruppe von Neu-Seeländern trafen. Da wir dem selben Hobby frönten, wurde es ein unterhaltsamer Nachmittag. Eigentlich hatten wir vor, nur zwei Nächste in Luxor im Princess Hostel zu bleiben, aber da unser neuer Freund Ahmed die Überfahrt in den Sudan klar machen konnte, hatten wir keine Eile. So verschoben wir jeden Abend dir Abfahrt aufs Neue, woran auch das Hotelpersonal nicht ganz unschuldig war. Besonders Gö-TZ war der Liebling von Ahmed und der Hostelbesitzerin geworden. So hängt jetzt auch ein Bild von ihm neben dem des Ehemannes und Ahmed bot uns 5 Kamele für die letzte Nacht mit Gö-TZ. Nach sechs Tagen schafften wir den Absprung dann doch und nach einigen herzzerreißenden Abschiedsszenen waren wir dann auf der Piste Richtung Aswan. Die vorgeschriebene Fahrt im Konvoi fiel aus, da Gö-TZ einfach zu langsam ist. Dafür hatten wir unser Tempo, wurden allerdings wieder an jedem Posten kontrolliert.

Aswan

Diese Stadt entpuppte sich als nicht besonders attraktiv, mit vielen Touristen und einem großen Markt mit allerlei Kram. Leider war es hier nicht möglich, in Ruhe durch die Straßen zu schlendern, da uns ständig etwas angedreht wurde, oder auch einfach nur so nach Herkunft, Namen, Sprache oder sonst was gefragt wurde.
Hier sollten wir uns aber mit dem von Luxor aus informierten Agenten für die Überfahrt treffen. Das klappte nicht auf Anhieb. Dann hatten wir aber einen sehr kompetenten zweiten Ahmed vor uns, der die ganze Prozedur mit hin- und hergefahre, kreuz und quer durch Aswan, Stempeleinsammeln und Einschiffung von Gö-TZ in 4,5 h mit uns erledigte. Ohne ihn wäre es schlicht unmöglich gewesen, da sich einige Büros in Hinterhöfen ohne Beschriftung befanden.
Am Hafen lernten wir noch ein spanisches und ein deutsches Paar kennen, die auch mit ihrem Autos Richtung Sudan unterwegs waren. Die meisten Sympathiepunkte erntete wieder unser Gefährt. So verbringen wir jetzt den letzten Abend in Ägypten.
Am nächsten Morgen trafen wir uns mit unseren neuen Bekanten und fuhren gemeinsam mit dem Taxi zum Hafen. Wir sollten früh bei der Fähre sein, da diese wohl generell überfüllt ist. Einige Passkontrollen später waren wir an Bord. Auf dem lernten wir zwei Norweger kennen, welche per Autostop nach Südafrika unterwegs waren. Beachtliche Leistung, da sie bisher nur einen Monat vom Nordkap aus gebraucht hatten. Da wir nur zweite Klasse gebucht hatten, blieb uns nur der Platz an Deck. Langsam füllte sich der Kahn und es wurden ewig viele Gepäckstücke mit den dazugehörigen Personen auf dem Sonnendeck verstaut. Sogar ein Zelt fand zwischen diesem Haufen von Mensch und Gepäck platz. Zu unserem Glück hatten die Spanier eine Kabine und weil die echt nett sind, durften wir sogar bei ihnen auf dem Boden schlafen, denn gegen Abend war jeder Zentimeter an Deck belegt. Es glich dem Bilde eines Festivals. Nur mit diversen gereichten Händen einiger Afrikaner war es am Abend möglich sicheren Fußes über diese Gebirgslandschaft zu kommen. Die Silvesternacht verbrachten wir gemeinsam mit anderen Afrikafahrerinnen und Fahrern. Wer hätte es gedacht, pünktlich um Mitternacht zauberten die Italiener Grappa herbei. Diesen hatten sie in Wasserflaschen zusammen mit 60 Litern Wein über die Grenzen geschmuggelt. Ein perfektes Unterfangen, da sie die Wasserflaschen versiegelt und zu 6er Gebinden originalverpackt im Auto und teilweise auch mit auf der Fähre hatten.

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Sudan

31.12.2007-17.02.2008

Nach einer sehr entspannten Nacht in der Kabine hingen wir wieder auf dem Deck ab. Kurz vor Wadi Halfa tauchte dann auch das Floss mit den Gefährten auf. Wer hätte es gedacht, wir konnten noch am gleichen Tag mit Auto und ohne viel zu bezahlen den Hafen verlassen. Mit der kleinen Reisegruppe (7 Italiener; 3 Autos, 2 Spanier; 1 Auto; 2 Deutsche; 1 Auto, 2 Norweger; ohne Auto und wir + ein Multicar) fanden wir einen wunderschönen Platz am Rande der Wüste. Es war die erste Nacht im Sudan mit live Musik, Wein, Grappa, echtem italienischem Espresso und netter Gesellschaft.
Wir trennten uns am Morgen von den Italienern/Norwegern und registrierten uns in Wadi Halfa, dies war leider erst an diesem Tag möglich. Schnell noch Proviant eingekauft und ab auf die Piste, endlang am Nil Richtung Dongola. Links und Rechts nur Sand und Steine. Diese Etappe fuhren wir gemeinsam mit den Spaniern und den Deutschen. Jetzt konnte Götz endlich seine wahre Größe zeigen. Wir zogen zwar nicht an den Anderen vorbei konnten aber recht gut mithalten. Nach ein paar Stunden Fahrt hatten wir einen adäquaten Platz für die Nacht gefunden. Ein Blick auf unser Fahrwerk machte uns ein wenig Sorgen, es schien feucht zu sein, trotz des ganzen Sandes. Aber ein Leck am Kühlergrill war das eigentliche Problem. Nicht viel besser jedoch lösbar, in dem man in regelmäßigen abständen Wasser nachgießt und die Heizung anmacht.
Am nächsten Morgen ging es weiter auf der Piste. Die anderen brausten davon, denn auf Schotter konnten wir dann doch nicht mithalten. Hin und wieder trafen wir die Spanier am Wegesrand wieder. Durchgeschüttelt, mit verstaubter Nase und dröhnendem Koppe sahen wir den uns mitlerweile sehr vertrauten und lieb gewonnenen Landrover am Dorfrand stehen. Also schnell auf die Bremse getreten und halt gemacht. Das Essen war schon angerichtet, so dass auch wir uns von den Bewohnern des Dorfes zum Essen einladen ließen. Am Abend war noch eine Hochzeit, so dass wir auch für die Nacht blieben. Wir konnten die Autos in einem Innenhof parken und zusätzlich zum Essen wurden wir auch für die Nacht eingeladen, sprich wir konnten in Betten schlafen. Leider war die Dusche hier defekt, aber mit einem Pickup wurden wir schnell zu einer alternativ Duschmöglichkeit gebracht, welche wir gerne in Anspruch nahmen. So sauber und frisch gewaschen ging es auf die Hochzeit. Ein merkwürdiges Bild, da alle am Tanzen und Feiern waren, alle waren fröhlich nur die Braut sah nicht so aus.
Auf der Flucht vor noch mehr Foul (gekochte braune Bohnen mit Öl; typisches Sudanesisches Essen) starteten wir schnell am nächsten Morgen. Eigentlich wollten wir heute Dongola erreichen, aber die Piste wurde immer schlechter. Heute durfte Götz seine ersten Erfahrungen mit Tiefsand machen. Ein grösseres Problem als der Sand war der Rückenwind. So wurde einem der frisch aufgewirbelte Sand direkt vor die Nase, bzw Windschutzscheibe geweht und man sah nichts mehr. So musste man sich diese kurzen Streckenabschnitte einprägen und dann nach Gefühl fahren. Ging aber einfacher als gedacht und mit gebrauch des Allrads kamen wir sicher hindurch, überrascht über die Fahrstabilität selbst bei sehr starker Schräglage unsers Multicars. Der Dreck hatte mittlerweile alle noch so kleinen Ritzen entdeckt und verteilte sich im kompletten Fahrzeug inklusive deren Fahrer und Beifahrer. Nach ein paar Schreckensminuten im Tiefsand sahen wir auch die Spanier zum letzten Mal. Nur langsam ging es weiter da die Pistenverhältnisse kein schnelles Fahren zuliesen. Die Dämmerung brach herein und so stoppten wir mal wieder in einem Dorf. Wieder mit leichten Sprachbarrieren schafften wir es einen recht netten Schlafplatz klar zu machen. Die Einladung zu Tee und Essen war mittlerweile schon fast normal, aber so gutes Foul hatten wir bisher noch nicht gehabt.
Am Morgen wurde der bisherigen Gastfreundschaft noch einer draufgesetzt und uns Tee ans Bett gebracht. Dann wollte Gö-TZ nicht so richtig los und wir stellen fest, dass wohl die Vorglühanlage unter dem Gerumpel der letzten Tage gelitten haben musste. Nach einigem Gequäle lief der Bock aber doch rund und brachte uns bis kurz hinter Abu Dom auf die Straße nach Karthoum. Auf einem ärmlich anmutenden Rastplatz konnten wir wieder Lager beziehen und die Nacht verbringen.
Schließlich erreichten wir auf guter Teerstraße die durch spärlich bewohnte Wüste führte, Karthoum. Dort auf dem allseits beliebten Gelände des Blue Nile Sailing Club inmitten Karthoums trafen wir dann auch das Deutsche Pärchen wieder. Ausserdem waren noch ein paar andere auf dem Weg Richtung Süden dort. Kurz nach unser Ankunft sollte eine kleine Vereinsregatta starten und ein Skipper brauchte noch Crew. Malte konnte also gegen eine ordentliche Ablösesumme von dem Racing Team Multicar an das Segelboot verliehen werden. Und die Investition machte sich bezahlt, da das Team mit Malte auf dem Nil in einem heißen Kopf-an-Kopf Renne den 2. Platz machte. Chapeau!!! Wir erfuhren von einem Mechaniker, der auch Kühler reparieren kann. Den trafen wir auch noch und verabredeten uns für den nächsten Tag. An diesem begannen wir damit das kaputte Teil auszubauen und auch sonst bei Gö-TZ nach dem Rechten zu sehen. Malte suhlte sich im Dreck um an die schwer zugänglichen Stellen des Fahrwerks zu gelangen und diese mit ordentlich Fett zu versehen. Das war nach dem tagelangen Dreck auch bitter nötig. Und so warten wir noch immer auf den Kühlerflicker.

12.01.2008

Gut Ding will Weile haben und gut Warten will gelernt sein. Auf dem Camping- eher Parkplatz mit horrenden Parkgebühren ließ es sich aber aushalten und auch das Warten fiel uns nicht so wirklich schwer. Eines der umliegenden Gebäude hatte wohl einen sehr netten und sehr sozial eingestellten Mieter, da dieser sein W-Lan-Netz ganz für umsonst zur freien Verfügung stellte. So glichen die „schattigen Plätzchen“ (altes traditionelles sudanesisches Gebäck) einem Mobilen Internetcafe. Dem war nicht genug, so dass der angrenzende Kiosk uns mit seinen extrem guten Frucht-Shakes das Leben versüßte. In der Summe dessen eigentlich alles gar nicht so übel aber leider mussten wir noch immer den Kühler und diverse andere Kleinigkeiten richten. Der ortsansässige Mechaniker kam aber noch am angekündigten Tag, bloß nicht am Morgen sondern erst am Abend. Er nahm nicht nur den kaputten Kühler mit, sondern gab uns auch noch ein paar Tipps für die defekte Vorglüheinrichtung des Herzen von Götz. An dieser Stelle möchten wir uns auch noch für stetige Unterstützung einiger Mitglieder des Multicar-Forum bedanken, die uns via Mail diverse Ratschläge, Tipps und Anleitungen geben konnten. Niklas machte sich noch an diesem Abend dran die vermeintlich kaputte Glühkerze zu finden und aus zu bauen. Aber wie es manchmal so ist, wenn man keinen Fehler findet, hilft ausbauen und dann gleich wieder einbauen manchmal schon. Und wie es sich für eine intakte Ehe gehört hat Malte mit dem lecker gekochten Essen auf den vom schweren Tagewerk geplagten Niklas gewartet. Der Mechaniker hielt Wort und brachte den gelöteten Kühler im laufe des nächsten Tages vorbei. Er versicherte uns, dass er auf jedenfall dicht sei. Wieder eingebaut und befüllt leckte er mehr als zuvor. Also wieder raus mit dem Grill und den Mechaniker angerufen, der trotz Feiertag schnell zur Stelle war und den Grill wieder mitnahm. In der zwischen Zeit trudelten noch das norwegische Tramp-Duo ein und auch die Spanier ließen nicht lange auf sich warten. Auch ihr Wagen hatte die Strapazen der letzten Tage nicht heile überstanden. So standen zwischenzeitlich fünf Fahrzeuge auf dem Platz und vier waren kaputt. Am Abend hatten wir unseren Kühler wieder in der Hand. Mit Hilfe von Sisko und seinen Mechaniker Händen und einer Pepsi-Dose wurde der Kühlergrill noch für die weiteren Pistenstrecken flott gemacht. Und da zeigte sich, dass auch das bestvorbereitete Team mit sämtlichen Ersatzteilen ausgerüstet immer wieder vor Problemen standen, die sie vorher nicht geahnt hatten. Unsere katalonischen Nachbarn konnten uns nicht nur mechanisch sondern auch noch kulinarisch weiterhelfen. So dass unsere Mägen an diesem Abend mit einer spanischen Tortilla verwöhnt wurden. Den Kühler bauten wir am nächsten Tag mit neuer Bestzeit wieder ein. Schnell hatten wir das Kühlsystem voll Wasser und nutzten die angenehmen Morgenstunden, um mal wieder richtig klar Schiff zu machen. Da uns die Unruhen in Kenia ein wenig zu denken geben und wir zu langsam sind um im Konvoi zu fahren, machen wir uns Gedanken für eine Alternative. Da sich die Lage in einem Monat evtl. etwas gelegt hat versuchen wir etwas zum Arbeiten im Sudan zu finden. Der Blue Nile Sailing Club ist leider so teuer, dass dies unser Budget sprengen würde aber wir haben schnell eine Alternative gefunden und konnten so bei einigen sehr netten Leuten unterkommen. So haben wir jetzt Zeit, uns um Arbeit und eine Alternativroute Gedanken zu machen.

03.02.2008

Bei diesen besagten sehr netten Menschen handelt es sich um eine Hilfsorganisation. Da eine Hilfsorganisation ihre Zeit oft damit verbringt zu helfen, hatten auch wir das große Glück, hier Hilfe einzuheimsen. Wir hatten ein Dach über dem Kopf, fließend warmes und kaltes Wasser, gutes Essen und eine Dartscheibe samt Opfer, wobei sich der Opfergott jeden Tag aufs neue eine andere Person auswählte, deren Gliedmaßeneigenschaften er dank seiner Fähigkeit verminderte. Um diesem Übermaß an Hilfe gerecht zu werden und um die Kenia-Problematik noch eine Weile aus unseren Köpfen zu verbannen, nahmen wir die Chance war, für ein paar Wochen ebenfalls zu Helfern zu werden und eine Art Praktikum in den Nuba Bergen zu machen. Ohne teuren Führer ist es für Touristen nicht möglich diesen wirklich schönen Teil des Sudans zu besichtigen, so dass wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnten. Die folgende Woche verbrachten wir damit diverse Ämter und Behörden auf zu suchen um die nötigen Papiere zu bekommen. Was sich recht einfach anhört, erwies sich als doch nicht ganz so unkompliziert wie gedacht.
Die Fotoerlaubnis, Top 1 auf der Tagesordnung, war innerhalb von einer Stunde fertig und abgestempelt in Maltes Hand. Dies ließ uns sehr zuversichtlich die nächsten Behörden in Angriff nehmen, doch weit gefehlt. Da wir nicht sicher waren, ob wir eine Reisegenehmigung für die Nuba Berge erhalten würden, beantragten wir diese als erste, generell wäre die Genehmigung kein Problem. Da aber für die komplette Dauer unseres Aufenthaltes in den Bergen unser Visum nicht reichte, konnten wir diese erst erhalten, wenn das Visum verlängert ist. Also erstmal Visum verlängern, klingt eigentlich noch immer recht einfach, wenn nicht:
- schlaue Menschen uns zu den falschen Behörden geschickt hätten,
- die gleichen Kompetenzbestien durch diverse unnütze Telefonate mit den jeweiligen Behörden unsere Zeit in Anspruch genommen hätten.
- diverse Versprechen gemacht worden wären die aber nicht erfüllt wurden.
Theoretisch hätte man an dieser Stelle richtig sauer werden müssen, wenn all die Hilfe und das Bemühen nicht nur eine Absicht gehabt hätte, uns den ganzen kram zu erleichtern und den Aufenthalt im Sudan so angenehm als möglich zu gestalten.
So kam es dann auch das wir statt eines Touristen Visum auf einmal ein Arbeitsvisum, welches normalerweise schwierig zu bekommen ist, in der Hand hatten. Die Reisegenehmigung, die wir als „Tourist“ beantragt hatten, wurde nur gültig, weil der Chef der ausstellenden Behörde aus den Nuba Bergen stammt und sich darüber freute, dass wir seine Heimat besichtigen wollen. Es gibt halt Dinge die man besser nicht versuchen sollte zu verstehen.
Aber wie so oft wird alles gut und so konnten wir dann auch eines schönen Tages, in Begleitung eines echten Angestellten der Hilfsorganisation, zu den Nuba Bergen aufbrechen. Die Hälfte der Strecke war guter Asphalt, die andere Hälfte Piste. Zum ersten Mal brauchten wir nicht selber fahren und so konnten wir das penetrante Geschaukel der zweiten Hälfte mehr genießen und hin und wieder die Augen schließen. Nach ca. 12 Stunde waren wir in Raschad in den Bergen angekommen. Dort erwartete uns der Leiter des ganzen Projektes und noch die ein oder der andere Mitarbeiter/in. Unser neues Zuhause war ein einfacher Steinbau mit Eimerdusche und Plumpsklo. Unsere Beschäftigung bestand darin die Brunneninspektionscombo zu begleiten und in den umliegenden Dörfern die vor Jahren von Unicef gebauten Brunnen zu kontrollieren, um festzustellen welche Teile kaputt sind, um diese später zu liefern. Beim Einbau der Ersatzteile ließen wir es uns nicht nehmen auch mal Hand an zu legen. Durch die ganze Umherfahrerei kamen wir in den Genuss, die Nuba Berge und deren Dörfer aus der Nähe betrachten zu können. So konnten wir Land und Leute näher kennen lernen. Was wir auch näher kennen lernten ist wohl die alte Tradition in den Nuba Bergen mindestens einmal krank zu werden. Niklas machte den Anfang, erst beklagte er sich über ein Unwohlbefinden in der Magengegend, später wurde er dann gut Freund mit unserem Plumpsklo. Ein Tag Bettruhe reichte aber aus um erstmal wieder fit zu werden. Kurz darauf hatte Malte morgens keine Lust auf zu stehen. Da er nicht zwischen der frischen Beziehung von Niklas und dem Plumpsklo stehen wollte, zog er es vor im Bett zu bleiben um das Fieberthermometer näher kennen zu lernen. Es ging so heiß her, dass wir am nächsten Tag, gemeinsam mit einem Übersetzer, in die nahe gelegene Krankenstation gingen um einen Malaria Test zu machen, der dann auch positiv ausfiel. Da Niklas auch in den folgenden Tagen vom Fieber mehr oder weniger verschont blieb und die hygienischen Verhältnisse in der Krankenstation nicht gerade einladend waren, beließen wir es bei dem einen Test. Die noch sehr unkomplizierte Malaria war mit Tabletten einfach in den Griff zu bekommen. Bald konnten wir wieder mit raus fahren. Niklas hatte sich wohl heimlich ein Abo für Übelkeit und Magenprobleme besorgt, so dass er hin und wieder von diesem gebrauch machte. Wir waren aber nicht die Einziegen, fast jeder unserer kleinen Wohngemeinschaft (5 Personen) war einmal krank. Das ist halt der Nachteil, wenn man auf so engen Raum zusammen lebt. Eines schönen Tages ereilte uns dann die wunderbare Nachricht, dass Multicar/Hako die Kosten der Verschiffung und unsere Flüge übernimmt. Alternativ dazu hatten auch schon einige unserer Freunde, Bekannte, Familienangehörige (ich weiß selber nicht wer) angefangen Geld zu sammeln, damit wir wieder weiter können. Wir sind begeistert und gleichermaßen gerührt über die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Zum einen haben wir jetzt überhaupt die Möglichkeit weiter zu fahren und zum anderen merken wir was für ein riesen „Rückrad“ wir haben. Diese positiven Nachrichten nahmen wir dann zum Anlass schnell gesund zu werden, um bald nach Karthoum zurück zu kehren und dort alles nötige für die Verschiffung in die Wege zu leiten. Wie es der Zufall so wollte, mussten auch die Kollegen zurück, so dass wir wieder in den Genuss einer zehnstündigen fahrt im Landcruiser der Organisation kamen und uns die Öffis vorenthalten blieben.

17.02.2008

Vom Fahren und rumgerüttelt werden der letzten Tage und Wochen hatten wir noch immer nicht genug. Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren „Kollegen“ nach Meroe, um die Pyramiden von alten Ägyptern anzusehen. Die Restaurationskünste der sudanesischen Archäologen trieben uns die Tränen in die Augen: fehlende Teile der Pyramiden wurden einfach mit Ziegeln und Mörtel ergänzt. Was eine wundersame Mischung aus mit Hieroglyphen verzierten Sandsteinen und ordinären Ziegelsteinen hervorbrachte. Um dieses Trauerspiel zu vertuschen, waren einige Sandsteinpyramiden mit Kalkzementputz überzogen worden. Als kleines Dankeschön versuchten wir unser Glück beim Essen kochen und machten ein Kartoffelgratin. Dabei mussten wir feststellen, dass die hohen Außentemperaturen, die Backleistung des Backofens nicht beschleunigten. Etliche Stunden verbrachten wir wartend vor dem Backofen, um dann endlich das wohlschmeckende Mahl genießen zu können. Dies lag unter anderem daran, dass eine halbe Knolle Knoblauch hinein gehäckselt wurde.
Die folgenden Tage gingen dabei drauf, Transportunternehmen zu kontaktieren, nötige Reiseerlaubnisse zu besorgen, diverse Besorgungen zu tätigen und Niklas' Vater vom Flughafen abzuholen. Der arbeitet für das Deutsche Rote Kreuz im Sudan und konnte uns logistische Unterstützung geben. So hatten wir z.B. ein Handy, um die in die Tausenden gehenden Telefonate mit den Transportunternehmen führen zu können und für diese auch erreichbar zu sein. So hatten wir nach ein paar Tagen dann auch endlich ein Reiseunternehmen für Gö-TZ gefunden. Nach einigem hin- und hergerechne trafen wir die Entscheidung ihn schon in Khartum in einen Container zu packen und via LKW und Frachter nach Dar Es Salam zu schicken. Die visumabhängige uns verbleibende Zeit im Sudan erlaubte es uns nicht Gö-TZ selber nach Port Sudan zu bringen. Eine Visumverlängerung stand außer Frage, da diese teuer gewesen wäre und vielleicht auch gar nicht geklappt hätte. Die Verschiffung von Dschibuti aus, haben wir auf Grund von Zeit, finanzieller und bürokratischer Hürden verworfen.
Immer wieder hieß es im Transportbüro, dass alles kein Problem sei und alle Formalitäten sowie die Verladung binnen des nächsten Tages, erledigt werden könnten. Leider hat ein Tag im Sudan aber manchmal nicht nur 24 sonder 96 Stunden oder sogar 1,5 Wochen. Zum Glück hatten wir mittlerweile einige Bekannte in Karthum, sodass wir die endgültige Abwicklung der Gö-TZ-Container-Verschiffungs-Transaktion beruhigt in deren Hände legen konnten. Wir selber nutzen die letzten noch möglichen Tage im Sudan, um Niklas' Vater in Kassala zu besuchen. Dort betreut er ein Rot-Kreuz-Projekt, welches sich um Ernährungssicherung kümmert. Wieder hatten wir die Gelegenheit durch das zu tun Anderer in eine schöne Gegend des Sudan zu gelangen. Für den Abschied aus Karthum war extra eine Flasche Whisky aus dem Süd-Sudan (wie auch immer) geschickt worden, so dass wir mit Thomas auf die gemeinsam verbrachten Tage anstoßen konnten. Noch im Dunkel verließen wir am nächsten Morgen das Zuhause der letzten Wochen. Mit einer Rikscha ging es durch das menschenleere Karthum zum Busbahnhof, wo man leider nicht von Menschenleere sprechen konnte. Das Schlafdefizit der letzten Nacht machte sich bemerkbar und das normale hin und her fing ein wenig an zu nerven. Schließlich saßen wir aber doch in einem Bus, der uns schnell und sicher nach Kassala brachte. Wobei schnell 10 Stunden bedeutete, was für diese Strecke ganz in Ordnung war. In Kassala erwartete uns auch schon Albrecht, der Vater von Niklas und der Fahrer Yaffa. Da es noch früh am Tage war, konnten wir noch die Berge von Kassala aus nächster Nähe bewundern. Vorher statteten wir der Reisegenehmigungs-Ausstellenden Behörde (kurz HAQ) einen Besuch ab, da wir in den nächsten Tagen in die Projektgebiete von Albrecht fahren wollten und die Reisegenehmigung Karthum-Kassala nicht ausreicht um die Stadt zu verlassen. Der Direktor vom HAQ empfing uns sehr herzlich und erwähnte nicht nur einmal, dass Albrecht sein guter Freund sei und alles überhaupt kein Problem sei. Wir fingen an uns zu wundern, dass alles so einfach gehen sollte, aber wir wurden nicht enttäuscht: schlussendlich war hier gar nichts möglich. Es wurden immer wieder neue Gründe aufgetan, um uns die Reiserlaubnis zu verweigern. Z.B. dass nur noch 3 Tage gültige Visum, von der ausstellenden Behörde, veränderte Zahlen und so weiter und so fort. Da der Rote Halbmond (Partner vom Roten Kreuz) nicht ganz unwichtig in Kassala ist, konnten so einige Hintertüren geöffnet werden. Ohne zu schmieren, hatten wir am nächsten Tag eine von der Tourismusbehörde ausgestellte Erlaubnis in der Hand. So konnten wir die folgenden Tage nutzen, um die von Albrecht betreuten Projekte zu begutachten. Der Weg zur äthiopischen Grenze war ohne Probleme und auch die Ausreise ohne Auto erstaunlich einfach. Ebenso die Einreise nach Äthiopien, die erstaunlicher weise ohne einen Cent zu bezahlen, möglich war.

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Äthiopien

17.02.2008

In der mit Bierwerbung behangenen Einreisehütte trafen wir noch 3 Fahrrad-fahrende Schweden, die so cool waren, dass sie nur in schwarzen Klamotten rumlaufen konnten, um der Gefahr einer Unterkühlung zu entgehen.
Die Unterschiede zwischen dem Sudan und Äthiopien waren nicht von der Hand zu weisen. Nach dem Überschreiten der Grenzbrücke öffnete sich uns ein ganz neues Bild eines afrikanischen Dorfes: Frauen auf der Straße, eine Bar neben der anderen, Händchen haltenden Paar und so gut wie kein Kopftuch mehr. Die Suche nach einer geeigneten Übernachtungsgelegenheit wurde dadurch erschwert, dass augenscheinlich jede 2. Lokalität das alleinige Übernachten in dem Bett von der Hausordnung her verbot. Bei allen anderen Übernachtungsgelegenheiten war Liebe für Geld nicht auszuschließen. Die Frage zweier männlicher Personen nach einem Doppelzimmer wurde des Öfteren nur mit einem Lächeln beantwortet. Einige Hotels später wurden wir endlich fündig. In einem einfachen Lehmgebäude fanden wir ein französisches Bett vor, welches so durch gelegen war, dass die nächtliche Berührung nicht auszuschließen war. Das Gemeinschaftsklo befand sich in einem Wellblechverschlag und war lediglich ein leicht riechendes Loch im Boden.
Wir testeten das heimische Bier in einigen Lokalitäten und bekamen später sogar noch eine verdammt leckere Portion Spagetti mit Tomatensoße und Salat.
Für einen Absacker verweilten wir noch im Innenhof des Hotels. Wir waren nicht die einzigen die dem Bier frönten. Sehr schnell wurde wieder ersichtlich in was für einen Etablissement wir uns befanden.
Um 5 Uhr am nächsten Morgen sollte der Bus nach Gondar fahren. Was bedeutet, dass wir viel zu früh aufstehen mussten. Es war uns schon etwas mulmig zumute, als wir nur mit einer Taschenlampe bewaffnet durch die dunklen Gassen von Metema schlichen. An der Busstation fanden wir schnell den Haufen Schrott, der unser Bus sein sollte. Da wir die ersten waren, konnten wir uns die besten Plätze sichern. Mussten dafür aber noch 0,5 h warten bis der Bus voll genug zum Losfahren war. 9 Stunden pures Geschaukele und Gerüttele lagen vor uns. Die harten Sitze und die mangelnde Beinfreiheit machten die Busfahrt unangenehm. Eine nicht geplante Rast brachte uns ein geplatzter Reifen. Die unbequeme Fahrt hielt uns nicht davon ab, hin und wieder einen Blick nach draußen zu werfen. Die runden Strohhütten umringt von bestellten Äckern und Wiesen, zwischen denen afrikanische Bauern in typischer Kleidung und mit Hacke auf der Schulter umherliefen, ließen alles fast schon ein wenig kitschig wirken. Man könnte meinen, dass es sich bei dem idyllisch wirkenden Arrangement, um eine Touristenattraktion handelte. Aufgrund der mangelnden Verkehrsanbindung der nicht vorhandenen Teerstraßen war davon aber nicht auszugehen.
In Gondar angelangt fanden wir schnell eine Unterkunft, die zwar um einiges teurer war als die der letzten Nacht, dafür aber eine reine Pension war. Als Belohnung für die durchaus anstrengenden letzten Tage, gönnten wir uns ein, zwei Kaltgetränke während wir auf unsere Pizza warteten. „Gut Ding will Weile haben“; dieses alte Sprichwort traf auch auf die Pizza zu. Mit einer kleinen Wegzehrung in der Hand begaben wir uns in unser Schlafgemach.
Der folgende Tag begann mit leichten Kopfschmerzen die mit einem leckeren Milchkaffee fort gespült wurden. Im nahe liegenden Reisebüro konnten wir die Flüge nach Tansania buchen. Das kleine Weiterreiseplanungsplenum tagte ohne Problemkerze und nach einigen Hin und Her entschlossen wir uns 3 Tage schlechte Busfahrt (nur Piste) nach Aksum durch 30 Minuten Flug zu ersetzen. Zumal der Preisunterschied nicht erwähnenswert ist. Die Suche nach einem Internetcafe machte uns auf eine nett anmutende Bar aufmerksam in der wir zu späterer Stunde einkehrten. Am Tresen fanden wir Platz und genossen heimische Spezialitäten. Auch der sonst immer sehr einsame Niklas, fand hier einen neuen Freund. Seine Namen waren ins Englische übersetzt: „I have no working permit“. Was wir ihm sicher auch geglaubt hätten, wenn seine Hauptaufgabe nicht darin bestanden hätte, die Bar zu halten, damit sie nicht umkippt. Leider haben wir wieder merken müssen, dass einige Leute mit Alkohol nicht umgehen können, da nach einiger Zeit er nicht nur uns auf die Nerven ging. Der sehr entspannte Mann auf der anderen Seite vom Tresen, kümmerte sich um einen Heimbringservice für Klaus Besuffnix. Zur Erkundung des Nilursprungs machten wir uns auf den Weg nach Bahir Darr. Dort fanden wir ein Hotel direkt an dem See, der die Wiege für den Blauen Nil ist. An diesem idyllischen Fleckchen Natur am Rande der Stadt ließ es sich ein paar Tage aushalten.

03.03.2008

Da Müßiggang bekanntlicherweise aller Laster Anfang ist und wir auf Laster außer natürlich unserem Multicar kein Bock haben, kümmerte sich Niklas um eine Bootstour zu einigen in dem See gelegenen Inseln. Auf jeder dieser Inseln gab es ein Kloster. Der Christliche Glaube ist in Äthiopien sehr weit verbreitet und wird groß geschrieben, wie wir in den folgenden Tagen immer wieder feststellen konnten. In den Klöstern lebten noch immer viele Mönche, die ihr Leben der Einsamkeit und dem Glauben verschrieben haben. Da es sich ausschließlich um Mönche und nicht um Nonnenklöster handelte, war der Eintritt für Frauen hin und wieder nicht gestattet. Uns bot sich ein Bild von sehr attraktiver und farbenfroher Baukunst. Der heilige Ort einiger Klöster war mehr als tausend Jahre alt. Die Wände waren mit bunten Abbildungen der äthiopischen Bibelgeschichte versehen. Natürlich handelte es sich um Farbe aus natürlichen Rohstoffen, die an Leuchtkraft und Intensität aber keinesfalls der modernen nach standen.
Um die neu gewonnen Eindrücke verarbeiten zu können, verbrachten wir den folgenden Tag wieder mit gemütlichem Genuss der Sonne und dazugehörigem produzieren von Sitzfleisch. Weiter ging es am Morgen des nächsten Tages zurück nach Gonder. Auf der Busfahrt lernten wir zwei Schweizer kennen, die durch Erzählungen aus vergangenen Reisen für den einen oder anderen Lacher sorgten. Schnell waren so die paar Kilometer abgerissen. In dem mittlerweile nicht mehr so fremden Gonder war schnell ein kleines Cafe für den wohl verdienten Macciato gefunden. Da wir schon ein Zimmer vorbestellt hatten, brauchten wir nur unsere sieben Sachen dort abzulegen. Den Rest des Tages nutzten wir für eine nervenaufreibende Internetaktion, anstrengend weil die Verbindung ständig abbrach und das gute 56k Modem mit den drei Rechnern an die Grenze seiner Leistung kam. Also mal wieder viel Zeit für wenig Erfolg gespendet. Später wollten wir noch die in Gonder gelegene Burg besichtigen. Wir durften für den normalen Preis heute aber nur in den äußeren Mauerring, so dass wir nichts zahlten und zurück zur Unterkunft eierten. Der Innenhof unserer Pension war voll Overlandern die mit ihrem Geschwätz aber eher nervten und weil wir am nächsten Morgen früh raus mussten, gingen wir heute mal zeitig ins Bett.
Mit einem Taxi fuhren wir zum Flughafen, die Möhre war aber schon so fertig, dass sie mit einem kleinen Hügel schon arge Probleme hatte. Im ersten Gang und mit Geräuschen, die an eine Kettensäge mit stumpfer Kette erinnerten, kamen wir aber am Flughafen an. Alles andere lief glatt, so dass wir früh in Axum ankamen. Gemeinsam mit einem deutschen Paar erreichten wir unsere neue Unterkunft. Zimmer waren auch noch frei, wir sollten bloß mehr zahlen als das Pärchen. Dass wir offensichtlich kein Paar wären und dass es verboten sei, waren die doch sehr fadenscheinigen Argumente. Wir schulterten unsere Taschen und wollten gerade gehen, als uns der Chef aufhielt und doch mit dem Preis runter ging. Die mittlerweile oft erprobte Methode, des augenscheinlichen Desinteresses an einem Geschäft wirkt doch fast immer. Wieder versuchten wir in einem Internetcafe unser Glück, blieben aber erfolglos, bis auf ein paar Text-Mails war nichts zu machen. Ein sehr gehaltvoller Saft und ein sehr guter Kaffee polierte aber unsere Laune schnell wieder auf. Eigentlich wollte Niklas einen Ananassaft haben, worauf die Bedienung uns erklärte dass es heute nur Apfel gäbe, also wurde der genommen. Bestellt haben wir einen Kaffee und einen Apfelsaft. Schlussendlich bekamen wir aber zwei Avocado-Mangosäfte und der Kaffee für Malte wurde gar nicht serviert. War auch nicht wirklich schlimm, weil geschmacksmäßig die beiden Säfte eine rechte Gaumenfreude waren. Wir verweilten noch eine Weile in der kleinen Saftbar und bestellten noch einen Kaffee, der dann auch gemeinsam mit dem schon vorherbestellten geliefert wurde. Doch manchmal alles etwas konfus aber immer wieder witzig, was am Ende bei einer Bestellung heraus kommt.
Wir blieben noch ein paar Tage in Axum und nutzen die Zeit, um die Zeugnisse der christlichen Kultur zu bewundern. Hier wurden wir belehrt, dass die echte Maria schwarz war und dass die westliche Maria falsch dargestellt wird. Balthasar, einer der heiligen drei Könige kam aus Äthiopien. Die Bundeslade, in der die originalen Tafeln auf denen die Zehn Gebote stehen liegen, ist in der Kirche in Axum. All dies wurde uns auf eine niedlich, bestimmte Art unterbreitet, immer wieder aber betont, dass es völlig in Ordnung sei, wenn man etwas anders glaubt. Den Rest des Tages nutzten wir für eine andere Art der Kultur und anlässlich des Datums hatten wir auch allen Grund. So versuchten wir in den Geburtstag von Malte rein zu feiern, was aber auf Grund von starker Müdigkeit und ungeeigneter Lokalität abgebrochen wurde.
Mit einem guten Frühstück wurde Malte geweckt, viel mehr passierte an diesem Tag aber nicht. Auch mussten wir wieder viel zu früh (4.30 Uhr) am folgenden Morgen zum Busbahnhof, um den Bus nach Adigrat zu erreichen. Sprich, wir bereiteten uns schon mal mental und körperlich auf die anstehende Busfahrt vor. Es ist Typisch in Äthiopien, dass die Busse sehr früh fahren und eigentlich immer voll sind. Über eine Passstraße/Piste fuhren wir durch die Berge im Norden des Landes. Eine Augenweide waren das Farbenspiel und die in den Fels gewaschenen Canyons. Trotz der geologischen Inkompetenz und dem ungeschulten Auge war uns bewusst, dass hier mal Unmengen an Wasser gewesen sein müssen. Fast unvorstellbar bei der vorherrschenden Trockenheit. So war die Busfahrt trotz Unbequemer Sitze, diverser Gerüche und sich übergebenen Sitznachbarn, optisch eine Wohltat.
Adigrat strahlt eine gewisse Gelassenheit aus. So schlenderten wir durch die Straßen auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die Nacht. Wieder konnte man sehen, dass viele der Hotels nicht nur zum einfachen Schlafen ihre Zimmer anboten. Aber wir wurden im „Ethiopien Hotel“ fündig, auch ohne Extraservice in der Nacht. Überfreundlich wurden wir begrüßt und bekamen ein, dem Preis mehr als angemessenes, Zimmer. Unsere nicht ganz gewöhnlichen Essgewohnheiten wurden sogar genutzt, um die Speisekarte diesbezüglich aufzubessern. Also ein rundum zu empfehlendes Etablissement. Ein in der Nähe gelegenes Kloster sollte das Ziel des nächsten Tages sein. Mit dem Bus fuhren wir in die Nähe und stiegen an der Wegkreuzung aus, mussten aber leider feststellen dass alle Angaben bezüglich Zeit und Wegstrecke falsch waren. Kurzerhand entschlossen wir uns das Kloster Kloster sein zu lassen und gingen gefolgt von einer Gruppe von Schülern zurück in Richtung Adigrat. Natürlich versuchten wir an und ab unser Tramperglück. Dies ließ auch nicht lange auf sich warten, ein Lastwagen hielt und hatte nicht nur Platz für uns sondern auch für 20 Schüler. Der Fahrer bestand darauf, dass wir in der eigentlich schon vollen Fahrerkabine platz nahmen. Einige Kilometer vor Adigrat verabschiedeten wir uns von der Fahrercombo, um die letzten Kilometer des Weges zu Fuß zurück zu legen. Schnell waren uns wieder einige Kinder auf den Fersen. Mit ein paar Brocken Englisch wurden wir nach Name und Nationalität gefragt, bald waren aber die Worte „give me, give me“ dominierend. Der Versuch ein paar Schafe zu fotografieren wurde mit einigen fliegenden Steinen, der eben noch freundlichen Kinder beantwortet. Es traf aber kein Stein sein Ziel und so erreichten wir unversehrt Adigrat.
Die neu erworbene Tramper-Erfahrung in Äthiopien ließ uns den neuen Tag gemütlicher angehen und so verzichteten wir auf den frühen Bus und versuchten es erneut. Wieder mussten wir nicht lange warten und bald saßen wir zu fünft in dem Cockpit eines Muldenkippers auf dem Weg nach Wukro.
In Wukro hatten wir uns mit dem spanischen Pärchen (siehe Sudan) verabredet, die dort in einer christlichen Einrichtung für Waisenkinder am arbeiten waren. Schnell war uns bewusst, dass in dieser Einrichtung Gastfreundschaft und Nächstenliebe groß geschrieben wird. Schnell wurden uns ein paar Zimmer angeboten und das leckere Essen ließ auch nicht lange auf sich warten. Eine Woche könnten wir ohne Probleme bleiben, aber auch länger, so hieß es. Um unserem Schlechten Gewissen gerecht zu werden, halfen wir Sisko in bisschen seine Werkstatt einzurichten. Hier sollte er in den nächsten Monaten als Mechaniker ein paar der Kinder unterrichten. So wuchteten wir gemeinsam mit etlichen helfenden Händen diverse Maschinen in die kleine Halle.
Schnell waren wir auch bei den Kindern bekannt und so war es bald schwierig, sich ohne ein Kind an der Hand oder auf dem Arm zu haben, zu bewegen.

05.03.2008

Eines Tages kamen ein paar Spanier aus dem Nachbarort Mekele vorbei, um eine in der Nähe gelegene Kirche zu besichtigen. Dadurch, dass „unsere Spanier“ gleich die Geschichte von Götz erzählten, hatten wir einige Sympathiepunkte gesammelt und wurden so alle am nächsten Abend zum Essen eingeladen. Mit typisch Spanischer Kost wurden wir verwöhnt und hatten beide am Abend das leichte Gefühl zu platzen. Geplatzt sind wir aber dann doch nicht und so konnten wir gemeinsam mit Cristina, Sisko und Angel, der Leiter der Einrichtung in Wukro, Richtung nötiger Ruhestätte antreten. Leider gab es noch einen Hacken: wir hatten keinen Schlüssel für den Tank und auch nicht genug Diesel für den Rückweg dabei. Problem erkannt, Problem gebannt und bei den Spaniern ein Auto geliehen. Auch dies lief nicht so recht, so dass wir zwar vorwärts kamen aber langsamer waren als mit unserem Multicar, welches in Gedanken natürlich noch immer bei uns war. Eine lange Fahrt durch die Dunkelheit später waren wir aber endlich in der Koje und konnten die in Mitleidenschaft genommenen Bäuche ausruhen. Wir nutzten die Möglichkeit, durch den Autotausch am folgenden Tag mit nach Mekele zu fahren, da wir uns langsam um die Weiterreise in Richtung Hauptstadt kümmern sollten. Auch wenn wir uns in Wukro sehr wohl gefühlt haben, wollten wir bald weiter nach Tansania. Leider erfuhren wir, dass wir noch am gleichen Tag aufbrechen mussten, da die Busse an den folgenden Tagen alle schon voll waren. Also zurück nach Wukro, Klamotten gepackt, schnell verabschiedet und rein in den Bus nach Mekele. Eine eineinhalb Tage Busfahrt stand uns bevor, die aber nicht berichtenswert ist, außer dass sich sehr rührend um uns gekümmert wurde. In Addis angekommen fanden wir schnell eine Unterkunft für die nächsten Tage, Ranzfaktor extrem hoch: Schüssel ohne Brille, nur eine von zwei Spülungen ging, Dusche war grün vor Schimmel, die Betten hingen durch wie eine Hängematte, aber die Lage war echt schön. Was kann man da nur machen? Wir suchten das nächste Cafe auf und gönnten uns erstmal Tiramisu mit Kaffee, um dann in die gegenüber gelegene Bar zu wechseln, deren Terrasse direkt an der Straße lag. So verbrachten wir den Rest des Tages damit die herumstreunenden Touristen zu beobachten und diverse Gespräche mit Einheimischen über das für und wieder eines Aufenthalts in Deutschland zu Diskutieren. Von der Müdigkeit geplagt lagen wir früh in unseren Hängemattenbetten und schliefen den Schlaf der Gerechten. Ein Business Tag lag vor uns, da wir uns um die Flüge kümmern mussten und auch sonnst noch einige Dinge zu erledigen hatten. Wie wir es mittlerweile gelernt haben, lässt man es aber erstmal ruhig angehen, sprich Cafe mit Kaffee und Teilchen. Bei unserer Airline angekommen durften wir, wie es in Deutschland bei der Agentur für Arbeit üblich ist, eine Nummer ziehen. Da wir diesbezüglich aber noch nicht die Routine besaßen und über die Menge an Zahlen, die zwischen unserer und der angezeigten lagen, erschreckt waren, gingen wir schnell wieder. Die vermeintlich lange Wartezeit nutzten wir für einige Erledigungen, wurden aber anschließend dadurch bestraft, dass unsere Nummer schon lange dran gewesen war; also neue Nummer und noch mal Warten. Mittlerweile waren aber alle Schalter besetzt, so dass wir nicht lange ausharren mussten. Eigentlich hatten wir in Gonder schon zwei Plätze reserviert, wir hatten uns aber entschlossen, so bald als möglich zu fliegen, da unsere derzeitige Bleibe nicht zum verweilen einlud. Unser Glück, da das Bezahlen der Tickets am Flughafen wie man uns bei der Reservierung erzählte, überhaupt nicht möglich sei. Danke an die schlechten Betten, da wir sonst zwei Tage später am Flughafen gestanden hätten ohne fliegen zu können. Die sympathische Flugfachfrau auf der anderen Seite fand noch zwei Plätze am nächsten Tag und zu ihrer großen Freude konnte sie deutsch, zumindest einen Satz: „Ich bin wild“ was uns natürlich ein leichtes schmunzeln in die Gesichter trieb. Sehr bemüht und trotz System-Problemen hatte sie es bald geschafft und wir hatten echte, bezahlte Tickets in der Hand und nicht bloß irgendwelche fadenscheinigen Reservierungen. Zurück in unserer Behausung packten wir schnell unseren Kram und vermieden den Gedanken an die Dusche, da es mittlerweile auch schon eine Weile her war, dass wir unser Körper mit dem kühlen Nass beglücken konnten. Mit einem Taxifahrer verabredeten wir uns für den nächsten Morgen und machten auch gleich den Preis fest, so dass wir die restlichen Kohlen beruhigt ausgeben konnten. Von einem widerlichen scheiß Weißen wurden uns noch die ein oder andere Dame angeboten, wir lehnten aber dankend ab und auch Peter und Klaus Besufnix ließen nicht lange auf sich warten. Aber deren Pegel war schon weit über Sturmflutmarke und so taumelten sie bald weg. Es ist doch immer wieder schön, dass man sich um Unterhaltungsprogramm keine Sorgen machen muss. Früh ging es zum Flughafen, schnell und ohne Probleme durch alle Kontrollen, noch den Duty Free unsicher gemacht und rein in den Flieger, ab nach Tansania.

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Tanzania

17.03.2008

Der Flug über Kenia war holperig und dauerte um einiges länger als gedacht. Die aufsteigende warme Luft und die Größe unseres Flugzeuges waren dafür verantwortlich, wie der Hobbypilot Niklas bei einem kühlen Bier und lecker Essen erklärte. Aber nach ein paar Stunden fliegen mit Zwischenlandung in Nairobi, gingen wir endlich auf dem Kilimanjaro Airport in Tanzania runter. Die Einreise und Visa Prozedur war schnell und einfach. Der niedliche Flughafen liegt im Norden des Landes zwischen Moschi und Aruscha, so dass wir erst mal auf einen Fahrbaren Untersatz angewiesen waren. Schnell war dieses Problem gelöst, da wir nicht die Einzigen waren, die nach Moschi wollten. Nach kurzer Fahrt waren wir dann endlich in Moschi, unser Ziel für die nächsten Tage. Eine Bekannte von Niklas wohnt für eine Zeit in Moschi, unser erstes Ziel. Wir hatten zwar schon vor einigen Wochen unser eventuelles Kommen angemeldet, jedoch nicht genau wann. Ein kurzes Telefonat später hatten wir sie ausfindig gemacht und waren auf dem Weg in eine Bar. So konnten wir in Ruhe ankommen und den vom frühen Aufstehen und diversen Sicherheitskontrollen malträtierten Körpern die nötige Entspannung gönnen. Sanni, unsere neue Gastgeberin, hatte ihr Domizil leider etwas außerhalb der Stadt, also zwängten wir uns mit Sack und Pack in einen der Minibusse. Die Fahrt und der Flug hatten sich gelohnt, eine grüne Oase mit Mango, Avocado und diversem anderen obstproduzierenden Gesträuch wurde unser neues Zuhause. Die Pläne der nächsten Tage waren einfach: Aufstehen, Frühstücken auf dem Balkon, Internetcafe, Markt um noch mehr Obst zu kaufen, und zurück. Sicher nicht wirklich viel, aber wenn man bedenkt, dass zwischen Paradies und Innenstadt ca. eine Stunde Fußweg liegt, und auch dann noch der ein oder andere Meter gelaufen werden muss, so eine Tag füllende Aufgabe. Die Tage vergingen viel zu schnell und so war es oft früher dunkel als erwartet. Da der Service im „Hotel bei Sanni“ noch groß geschrieben wird, war sogar eine Tagestour zu einem der nahe gelegenen Wasserfälle teil des Täglichen Bespaßungsprogramm. Mit T-Bob-Ras, ein Bekannter des Hauses, der glücklicherweise lokaler Tourguide und Fahrer ist, ging es zu dem Dorf, hinter dem der Wasserfall lag. Noch ein kurzer Fußweg zwischen Bananenstauden und Mangobäume trennte uns von dem kühlen Nass. Unser Glück, da außer ein paar Kindern niemand diesen sehr schönen Platz an der Sonne genoss. Leider war das kühle Nass so kühl, dass man nicht lange drin verweilen konnte. Also wurde die Obst-Kur auf den Felsen weiter geführt. Wieder im Dorf angekommen gab es als Belohnung für das anstrengende Rumgehänge und Gelaufe ein Bananenbier von T-Bob-Ras. Ein paar andere Freunde von Sanni waren noch im Lande und als diese dann auch mal hier eintrafen, waren wir genügend Personen um wieder mit unserem T-Bob-Ras eine kleine Tour zu machen. Der Lake Natron war unser Ziel. Malte hatte noch von seinem vorherigen Tanzaniaaufenthalt einen Bekannten, der dort das Management einer Lodge übernommen hatte. Also hatten wir diese Übernachtungsmöglichkeit als Tagesziel. In aller Hergottsfrühe verließen wir Moschi und machten uns auf den Weg Richtung Nordwesten. In Arusha machten wir halt um lecker Frühstück einzunehmen. Malte kannte noch eine gute Lokalität um den Magenbedürfnissen gerecht zu werden. Die letzten Obsteinkäufe konnten wir dort auf dem Markt erledigen. Das einzige, was uns jetzt noch fehlte, waren viele Liter Trinkwasser. Was eigentlich kein großes Problem ist, da man dieses in jedem Supermarkt kaufen kann. Das Problem bei uns: wenn der Fahrer auch nach mehreren Aufforderungen nicht anhält, kann man auch nichts kaufen. Vielleicht war die Besitzerin des völlig überteuerten Kiosk an dem wir dann Wasser bekommen haben, die heimliche Geliebte von T-Bob-Ras. Im Laufe der Fahrt merkten wir, dass die Reaktionen von unserem Fahrer nicht immer die schnellsten sind. Da die Straße an mehreren Nationalparks kratze, kamen wir in den Genuss von Elefanten, Zebras und anderem Getier. Da Bobs eigentliches Auto von einem seiner Kumpels besoffen zu Klump gefahren wurde, hatten wir nur einen Ersatzwagen. Und natürlich war das Reserverad platt. Aber bei einer kleinen Autowerkstatt ließ sich auch dieses Problem beheben. Und wir (mittlerweile ein Rastafari, ein Schweizer, ein norwegisches Kind mit 24 Jahren und vier Deutsche) hatten so die Möglichkeit noch zu Mittag zu essen. Es war wirklich schön, dass man als Weißer eine Extra Wurst bekam und die doppelten Preise zahlen musste. Nach dieser nervigen Angelegenheit verließen wir die Zivilisation und bogen auf die Piste ab, Richtung Lake Natron. Die von Tieren überfüllte Landschaft sorgte dafür, dass uns nicht langweilig wurde. Und um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen, sahen wir in der Ferne plötzlich einen rauchenden Berg. Gleichzeitig begann uns von rechts ein Sandsturm zu umzingeln. Die Rauchfahne wurde immer größer und angesichts des Sandsturms und des Vulkans drängte T-Bob-Ras zur Eile. Da unser Fahrer und Guide neben dem Touristenbuissines eine gut laufende Teehandlung betrieb, kamen wir in den Genuss diverser Tees. Im Camp beim Lake Natron angekommen, mussten wir leider feststellen, dass der gute Jenz (Bekannter von Malte) wohl Wind von der Sache bekommen hatte und sich für einen Monat nach Deutschland abgesetzt hatte. Das schöne Camp war leider etwas zu teuer für uns, sodass wir in das lokale Gästehaus wechseln mussten. Ein obsthaltiges Abendessen beendete diesen spannenden Tag. Früh standen wir am nächsten Morgen auf, da ein Wasserfall, die Flamingos am See und die Rückfahrt auf uns warteten. Als erstes kümmerten wir uns um den See. Ein ca. 1km langer Marsch trennte uns von einer Felsengruppe auf der Scharen von Flamingos nur auf unsere Kameras warteten. Da wir die Vögel nicht enttäuschen wollten, wagten wir die Schlammpartie und rutschten zu dem Felsen. Dabei war unser Gang wahrscheinlich nicht viel Eleganter als der der Flamingos. Auf dem Rückweg sorgte Malte noch für eine spezial Performance, indem er nach dem Sprung über ein Rinnsal nicht zum Stehen sondern zum Sitzen im Schlick kam. Natürlich schleuderte er dabei Unmengen von Schlamm in das lachende Gesicht von Niklas. Zum Glück blieb die Kamerafrau Sanni schlammlos, sodass ein super Video entstanden ist. So dreckverschmiert konnten wir nicht in die Stadt zurück. Also suchten wir die Naturdusche Wasserfall auf. Der Weg dorthin ließ uns den Fluss mehrere Male durchqueren und alle bis auf unseren Fahrer vielen nicht ins Wasser. Wir genossen die Dusche und den Whirlpool und kombinierten dieses mit einer saftigen Ananas, Bananen und ein paar Mangos. Leider war das Wasser voller Sand, so dass sich sämtliche Taschen damit füllten und auch Körperöffnungen nicht verschont blieben. Da uns noch einige Stunden Rückfahrt bevorstanden, mussten wir das schöne Fleckchen Natur verlassen und uns auf den Rückweg machen. Nach kurzer Zeit sorgten ein paar Schimpansen für Bespaßung und die Herren und Damen der 1. Klasse für die nötige Magenfülle, indem sie das Obst mundgerecht verteilten. T-Bob wurde seinem Namen gerecht und sorgte für ausreichend Tee auf der langen Rückfahrt. Um in den Geburtstag von Sannis Bekannter reinzufeiern, gingen wir in das nahe gelegene Glacier Inn. Dort spielt jeden Freitag, Samstag UND Sonntag die örtliche Reggae-Kapelle. Als ob es nicht genug wäre, dass sie das ganze Wochenende über spielen, gibt es auch jeden Tag nur die gleichen Lieder. Und die spielt jeder der Musiker für sich, in seiner eigenen Geschwindigkeit. Am Kicker mit Rührfunktion (also einseitig gelagerte Stangen mit gegenüberliegender Riesenöffnung) wurde das vermisste WM-Spiel Tansania-Deutschland ausgetragen. Sanni und Malte fegten die Tanzanische Mannschaft vom Feld. Dummerweise hatte Malte den Spitzenfußballer Niklas gegen eine horrende Ablösesumme an die Konkurrenz verkauft. Bei der Revanche wurde schnell geklärt, dass auf dem heimischen Feld, die tanzanische Mannschaft doch im Vorteil ist. Nach diesem Sportevent waren 1-2 Tage Erholung notwendig. Um die Gehirnzellen nicht ganz einrosten zu lassen, versuchten wir uns am Canastaspielen und Räuber-Romee. Nachts machten wir noch den lokalen Club unsicher.

03.04.2008

Mit einiger Verspätung starteten wir in den neuen Tag. Das lag zum einen daran, dass unsere geschundenen Körper etwas Erholung brauchten und zum anderen, dass das Motto das letzten Abends „Lampen an“ war.
So waren unsere Bewegungen am nächsten Morgen sehr langsam und den afrikanischen Verhältnissen angepasst. Auch das FrÜhstÜck mit darauf folgenden Kartenspiel Einheiten, war langsamer denn je. Der mitlerweile zur zweiten Heimat gewordene Balkon gab uns ein Dach Über dem Kopf und das GefÜhl von Geborgenheit wie in Abrahams Schoß. Doch plötzlich stand der eigentliche HauseigentÜmer (das 24 jährige norwegische Kind) mit 2 Macheten, die er aneinander wetzte, mit den Worten „that's fun“ vor uns und fragte, ob man damit auch Hände abhacken könnte. Da sich unsere Fähigkeiten allerdings nur auf handwerkliche- und Ingenieurtätigkeiten beschränkten und nicht auf die Betreuung von verhaltensauffälligen Jugendlichen, machten wir uns ein wenig Sorgen um den Patienten. Kurz darauf fragte er, wie man eine Wassermelone isst und ob wir diese öffnen könnten. Ab diesem Moment konnten wir ihn nicht mehr ernst nehmen. Niklas stellte seine Schnitt- und Tranchierfähigkeiten unter Beweis und trennte mit galanten Schnittbewegungen mundgerechte StÜcke aus der Wassermelone. Dem nicht genug kam der väterliche Instinkt in ihm hoch, und er zeigte, wie man eine Wassermelone ist: „Ja man kann die Kerne mitessen, und das GrÜne ist die Schale!“. Da uns am Abend der Hunger quälte, verließen wir doch noch den Balkon um zum lecker Pizza essen in die Stadt aufzubrechen. So kam es, da in dem Restaurant neben Pizza auch Salat mit WÜrmern serviert wird, dass sich in Maltes Magen ein paar Parasiten breit machten, wie sich ein paar Tage später herausstellte.
Wieder im Hotel Sanni angelangt waren wir vom vielen Essen so mÜde, dass außer einem Film nicht mehr viel lief. Ein wenig von der Langweile geplagt machte sich Malte doch noch auf, um ins nahe liegenden Glacier Inn zu gehen. Doch da die lokale Reggaeband Friday, Saturday AN Sunnday spielt, war das Publikum schon so zerstört, dass ausser Peter, Klaus, Georg und Dieter Besofski niemand mehr im Laden war. Man glaubt es kaum, aber dieses sind wirklich typische afrikanische Namen. Gut, nicht das perfekte Publikum um einen Abend dort zu verbringen. Also ging's wieder zurÜck.
Da Montag bekannter Weise ein Schontag ist, schonten wir unsere mÜden Knochen, mit denen wir aber doch einen kleinen Ausflug in die Stadt machten, um dort die Üblichen Besorgungen, sprich: Obst, GemÜse und Kaffe zu erledigen. Wobei sich der Kaffeekonsum auf die Trinkeinrichtung Coffe-Shop im Herzen Moschis bezieht, da dies die einzige Möglichkeit war, richtig guten Bohnenkaffe zu trinken. Der Innenhof des besagten Kaffeehauses lud zum verweilen ein und so tauchte nach kurzer Zeit unser, vor ein paar tagen kennen gelernter, Spielpartner Michael auf. Ganz ungeniert erkundigte sich Niklas nach dem Ausgang des Samstagabends, da wir beim Verlassen des Clubs Michael mit einer einheimischen Schönheit tanzen sahen. Mit dieser hatte auch schon Sanni ihr TanzvergnÜgen und auch bei uns schob sie den Belustigungspegel nach oben. Nach dem Michael sie Gentelmanmäßig nach Hause gebracht hatte, stellte sich heraus, dass sie das täglich Brot fÜr sich und ihr Kind durch Prostitution verdienen muss. Was sicher keine Freude ist, wenn man dazu genötigt wird. Leider haben in manchen Ländern viele Frauen keine andere Wahl. Eigentlich wollte sie eine Ausbildung machen, um einer angenehmen Arbeit nachzukommen. Doch leider fehlte dazu das nötige Geld. Der gute Michael faßte den Entschluss ihr zu helfen. Schnell war klar, dass sie gerne im Tourismusbereich tätig sein wollte. Dazu musste sie ersteinmal Englisch lernen, um später in der Safari-Guide-Schule in Arusha anfangen zu können. Die 25 Euro Schulgeld im Monat sind fÜr Deutsche Verhältnisse nicht viel, können ihr aber hoffentlich das Leben verändern.

Um den Aufenthalt in der Stadt abzurunden, kehrten wir noch fÜr ein Feierabendbierchen in eine lokale Bar ein. Man mag es nicht glauben, aber es blieb bei einem. Allerdings stellte sich Unwohlsein in Maltes Magengegend ein.
ZurÜck im Etablissement wollten wir eigentlich anfangen zu kochen, aber das fehlende Gas machte eine weitere Expedition in die Stadt nötig, die aber nicht von Erfolg gekrönt war. Also wurde auf Strom umgestiegen. Beim Kochen und Essen war Malte keine große Hilfe, da er sich primär um EssenrÜckwärts und Ablegen kÜmmerte. Die anderen Genossen ein leckeres Mal der *** Köchin Sanni mit viel GemÜse, Kochbananen und Kokossnuss.
Am nächsten Morgen schien es Malte ein bisschen besser zu gehen und wir machten uns gemeinsam Über die großen Mengen an Guakamole her. Während die anderen zum Standard-Stadtprogramm Übergingen, versuchte Malte seinen nicht wohligen Magen auszukurieren. Über einen Bekannten von Michael hatten wir noch die Möglichkeit an Unmengen lokaler Musik zu kommen. So brachen wir am Abend auf, um diesen jenigen Freund aufzusuchen und uns mit Musik einzudecken. Auch ein paar Tanzeinlagen vor seinem Musikgeschäft durften nicht fehlen. Da dies fast in Arbeit ausartete, kehrten wir noch zur Nahrungsaufnhame in ein Straßenrestaurant ein. Die tansanische Mama war von dem Ansturm hungriger Mäuler Überwältigt und nicht vorbereitet. So dass wir nacheinander essen mussten, weil nicht genÜgend Teller vorhanden waren. Der Reis mit Bohnen und Spinat war super lecker, aber was lecker schmeckt muss noch lange nicht gut fÜr den Magen sein, zumindest nicht fÜr Maltes. Im Hotel Sanni angekommen ließ er sich das Essen wieder durch den Kopf gehen.

Man könnte meinen, dass Malte schwanger sei, aber da er keine Lust hatte WÜrmer zur Welt zu bringen, kÜmmerte er sich am folgenden Tag um einen Arzt, um die vorstehende Schwangerschaft mit einem Medikament zu beenden.
Schon frÜh ging es los richtung Stadt. Die Leitung hatte die Pflegekraft Sanni, die ihrem Namen alle Ehre machte. Man könnte meinen, dass die Verständigung das Schwierige bei einem Arztbesuch im Ausland sei. Heute war es jedoch der Stuhlgang auf Kommando. So ging es bald ins Nahe gelegene Cafe um dort auf Anhordnung der besagten Pflegekraft Unmengen an Espresso und Kaffee zu konsumieren, worauf einige verdauungsfördernde Spaziergänge folgten. Und wer hätte es gedacht, nach 3-4 Std. war es endlich so weit. Das Kind konnte geboren werden. GlÜcklich Über seinen Erfolg, machte Malte sich auf zum Arzt um dort sein kleines Geschenk abzuliefern. Bald gab es auch das Resultat: ein paar Kleinstlebewesen waren die Ursache fÜr das Unwohlbefinden. 2 bunte Pillen aus dem Arzneischrank sollten dem aber ein Ende setzen.
Dies war der letzte Tag unserer Gastgeberin in Moshi, den wir mit einem guten Essen abschlossen. Unsere Laune war aber nicht die Beste, da wir trotz etlicher Telefonate an den vergangenen Tagen nichts Über den Verbleib von unserem Multicar herausfinden konnten.
PÜnktlich am nächsten Morgen holte uns T-Bob-Ras ab um gemeinsam mit ihm nach Dar Es Salaam zu fahren. Wir hofften dort endlich, nach Über einem Monat unseren Dritten im Bunde, Gö-TZ, wieder zu treffen. Einige Abschieds- und Abasselfotos später waren wir auf dem Weg Richtung KÜste. Um den von Reggae geplagten Ohren eine Pause zu gönnen, legten wir einen Zwischenstop in der Nähe von Lushoto in den Usambara Bergen ein. Ein idyllisches Fleckchen Natur im satten grÜn durchschlängelt von zarten Gebirgsbächen. Beim Stoppen des Motors war lediglich das Rauschen einiger Wasserfälle zu hören. Um all dies genießen zu können, blieben wir die Nacht. Da wir sozusagen nicht gerne im Mittelpunkt des Geschehens stehen und die Vogelperspektive bevorzugen fuhren wir noch einige Meter in die Höhe. So konnten wir vom Hang der Berge weit ins Tal blicken und all dies Schöne von Oben sehen. Da es auch in Afrika in der Nacht empflindlich kalt werden kann, musste noch ein Nachtquartier her. Eine Expedition durch dunkle Bananenwälder einiger Reiseteilnehmer und die harten Preisverhandlungen der Anderen später hatten wir einen der besten Schlafplätze ever. Eine kleine am Hang gebaute HolzhÜtte mit ausladendem Balkon bot uns ein Dach fÜr die Nacht. Unsere Gastgeber fuhren noch ein äußerst Delikates Essen auf, welches aus Ugahli (Maispampe) Bohnen, Kohl und Salat bestand. Nach so einem Mal ließ es sich gut schlafen: zusammen gepfärcht mit vier Personen auf ca. 6 m² auf Matten, bei denen die Federn nicht nur spÜr- sondern auch sichtbar waren. Aber die Aussicht und das Ambiente machten diesen augenscheinlich unluxoriöse Schlafplatz zu einem Traum. Vom Nebel geweckt der durch den offenen, dem Tal zugewandten, Giebel zog, folgte fröhliches Geschwätz. Die Expedition am Vorabend hatte einen guten FrÜhstÜcksplatz aufgetan. Im nahe liegenden Bauernhof saßen wir bald bei Käse, gutem Brot, frisch gemachter Marmelade und Kräuterquark auf der Veranda und genossen die Sonnenstrahlen die den Nebel durchdrangen.
Leider mussten wir trotzdem weiter nach Dar Es Salaam. Bei der gestrigen Bergetappe wurde bedauerlicherweise der Auspuff bei einem der Schlaglöcher in Mitleidenschaft gezogen. Das Gedröhne machte den Stop bei einer Autowerkstatt unabdingbar. Die flinken Schweißerhände behoben den Schaden schnell und ohne Schweißerbrille. Wieder auf der Bahn, wurde bald dem Reggae ein Riegel vorgeschoben. Selbst der Hit „Nobody can stop reggae“ brachte uns nicht davon ab, endlich mal wieder guten Country und sonstige Hits zum Mitgrölen zu spielen. Unser Fahrer fand sich damit ab und brachte sogar hin und wieder ein Lächeln hervor wenn wir laut krähend und völlig schief die Hi-Fi Anlage Übertönten. Aber nach einer stunde Reggaeentzug war Schluss damit. In der anbrechenden Dunkelheit erreichten wir endlich Dar Es Salaam, wo der Schweiß in Strömen lief. Nach einer kurzen Fährfahrt ging es zum SÜdstrand, zum Kipepeo Camping. Wo wir die bevorstehenden Ostertage verbringen wollten. Ein kurzer Zwischenstopp wurde noch zur Nahrungsaufnahme in einem örtlichen Lokal eingeleitet. Hier trafen wir auf Niklas' Freundin Anna mit ihrer Freundin Anna. Eine kurze Diskussion war nötig, um die mittlerweile recht große Gruppe auf die am Strand gelegenen, aus Palmenwedeln gebauten, HÜtten zu verteilen. Dann war endlich Ruhe und wir konnten uns dem Nachtbad widmen. Die folgenden Tage verbrachten wir mit Baden, Obstessen, politischen Grundsatzdiskussionen Über das FÜr und Wider der Entwicklungshilfe Projekte im globalen Kontext und Kartenspielen. Die Diskussionsgrundlage bildeten die Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer im Zusammenhang mit der GeldausschÜttung im Ausland. Angestachelt durch die Arroganz gewisser weißer Entwicklungshelfer die tagtäglich unsere Wege kreuzten. Ist eine Reise durch Entwicklungsländer nicht auch eine Art Hilfe? Ein schwieriges Feld.
Wir genossen das tÜrkis-blaue Meer, den weißen Sand und die unzähligen Krebse, die durch ihre Bewegungen zur Belustigung beitrugen. Immer wieder versuchten wir bei der Verschiffungsgesellschaft etwas zu erfahren. Schließlich hieß es, dass alles kein Problem sei und Gö-TZ am Ende des Monats in Tanzania sein wÜrde. Die Zeitspanne zwischen Ostern und Monatsende nutzen wir um den Großstadtdjungel zu entfliehen. So trennten wir uns nicht nur vom Strand sondern gingen auch fÜr ein paar Tage verschiedene Wege. Niklas brach mit Anna und Anna Richtung Mikumi Nationalpark auf und Malte machte sich mit ein paar anderen auf um die Berge bei Morongoro unsicher zu machen.
Da es sich um einen gemeinsamen Bericht handelt lassen wir diesen Teil aus, zu mal eh nichts Spannendes passiert ist.
Eines schönen Abends trafen wir uns aber wieder und zwar in Dar Es Sallam bei T-Bob-Ras, wo Malte schon einige Tage ausharrte, da er am vorhergegangenen Wochenende die Hochzeit seines Bruders besuchte. Gleich am nächsten Tag ging es frohen Mutes zu der Verschiffungsgesellschaft. Aber wir wurden stark enttäuscht, denn außer sehr fadenscheinigen Aussagen, die uns zwar Über den Verbleib von Gö-TZ aufklärten, er war noch immer zwischen Sudan und Tansania inSaudi Arabien, hatten wir nichts gewonnen. Auch die Frage, wann er denn dort verladen wird, konnte uns niemand beantworten. Es machte sich die Sorge breit, dass wir unser Multicar so bald nicht wieder sehen werden. Wieder einmal sind wir auf die leeren Versprechen diverser Mitarbeiter der eigentlich renommierten Gesellschaft reingefallen. Man könnte meinen dass wir im Behördendschungel im Sudan etwas gelernt hatten, aber irgendwie hofft man doch immer auf das Gute im Menschen. Die versprochenen vier Wochen, die die Verschiffung dauern sollte, waren aber schon lange vorbei. Die einzig klare Aussage, die man uns machen konnte, war, dass unser Container schon Über eine Woche in Port Sudan stand, bevor er verladen wurde, und dass er mittlerweile schon zwanzig Tage in Jeddah im Hafen steht. Unser GegenÜber am Schalter versprach aber sich sofort um alles zu kÜmmern und sich umgehend bei uns zu melden. Wirklich gerechnet haben wir damit nicht und diesmal wurden wir auch nicht enttäuscht. Er hat sich in einer Woche kein einziges Mal bei uns gemeldet und bei unseren täglichen Anrufen kamen Überhaupt keine Informationen zum Stand der Dinge rÜber. Auch bei großen, globalen Unternehmen scheint es hier schwierig zu sein, sich auf Angaben bezÜglich Zeit verlassen zu können. Mittlerweile haben wir es Anfang April und die Schifffahrt nach Tansania ist auch nicht in drei Tagen erledigt.
Alles Hin- und Hergerechne brachte uns zu dem schweren Entschluss, ohne Multicar weiter zu reisen. Auch wenn unser Container heute verladen wird und in acht Tagen in Dar es Sallam ankommt, wird es dann noch mindestens eine Woche dauern bis wir ihn aus dem Hafen bekommen und weiterfahren können. Eine Rechnung die darauf beruht, dass mal alles glatt geht, wovon man nicht ausgehen kann. Wären wir zeitlich und finanziell ungebundener, könnten wir sicher einfach weiter warten. Aber die letzten Tage des Wartens mit unzähligen Telefonaten und anderen kostenspieligen und nervenaufreibenden Aktionen um unser Multicar haben die Reise- und Zeitkasse doch sehr geschröpft. Traurig und entäuscht verbringen wir die letzten Tage in Tanzania.

14.04.2008

Ja die Enttäuschung war groß, aber das Leben und somit auch das Reisen geht weiter. Wir werden zwar unser geliebtes Multicar, zumindest in Afrika, nicht wieder sehen, aber unser Ziel - Kapstadt - haben wir nicht vergessen. Eines war uns beiden klar, einfach mit dem Bus bis in die südlichste Stadt Afrikas zu fahren kommt nicht in Frage. Schnell hatten wir uns die erste Alternative zu Recht gestrickt. Ein Tuk-Tuk (dreirädrige Motorradrikscha) sollte unser neuer fahrbarer Untersatz werden. So wär' der Geschwindigkeitsrausch der selbige wie beim Gö-TZ und auch die Geräumigkeit käme aufs Gleiche heraus. Wir verbrachten einen ganzen Tag damit Preise zu vergleichen, diverse Läden abzuklappern und zu rechnen. Leider schien es unmöglich, ein gebrauchtes und somit erschwingliches Teil zu bekommen. Hierbei half uns ein lokaler Kfz-Mechaniker. Am Abend dröhnten unsere Schädel und wir fassten den Entschluss, die Rikscha Variante der Wegbezwingung mangels Geld fallen zu lassen. Natürlich hatte sich in der Zwischenzeit schon wieder ein dufter Plan für den Rest der Strecke in unseren Köpfen breit gemacht. Die Zugstrecke von Dar Es Salaam nach Sambia soll sehr schön sein, was der Anlass war uns eben genau für diesen Zug um Tickets zu kümmern.
Für den Rest der Strecke wollten wir uns zwei Fahrräder kaufen. Auch kamen wir zu dem Entschluss unsere Verschiffungsgesellschaft insofern ein bisschen zu nerven, da wir der Meinung sind, dass wir für deren Fehler, den Verlust von unserem treuen Freund in Afrika, genug bestraft sind, so dass diese sich doch um die sichere Heimreise von Gö-TZ kümmern sollte, was sie nach vielem Hin- und Her auch taten.
Nach nun mehr über einen Monat hatten wir endlich wieder einen Masterplan und das ständige Rumgehänge, Warten und nichts genaues Wissen hat ein Ende. Schlagartig war unsere Laune wieder besser und der Tatendrang kaum zu bändigen. Malte traf in Dar Es Salaam noch einen ehemaligen Schüler der gleichen Bildungseinrichtung, in der er die letzen beiden Jahre vor Afrika seine nötige Portion Bildung einheimsen konnte.
Arne sein Name hatte die Aufgabe wahrgenommen hier in Tansania eine Tischlerei auf zu bauen, was schon mal das Interesse bei unserem Tischler weckte. Nach einem Sonntagsausflug nach Bagamoyo (kleine Hafenstadt mit deutscher Geschichte) mit anschließender Tischlereibesichtigung konnte er seine Finger nicht mehr still halten. Als Gastarbeiter war er Arne und seinem neuen Geldgeber hoffentlich eine große Hilfe. Zumindest versuchte er es ihnen in den letzten Tagen in Tansania zu sein. Durch den erwirtschafteten Lohn war es uns möglich, auch ein mobiles Dach über den Kopf für die letzte Etappe zu erwerben, so sind wir jetzt stolze Besitzer eines Zeltes. Niklas nutzte die ihm gegebene Freizeit nicht etwa dafür die Straßen von Dar Es Salaam unsicher zu machen, sondern kümmerte sich um Fahrkarten, das hoffentlich sichere Heimkommen von Gö-TZ und diverse, hier sehr Zeit und nervenaufwendige, organisatorische Dinge und nicht zu vergessen die leckeren Teilchen vom Bäcker.
Nach über 10 Tagen Großstadt war es endlich so weit, unsere Abreise nach Sambia stand an. Glücklich weiter zu kommen, gingen wir zum Bahnhof. In der Lounge machten wir es uns bequem, um nach kurzer Zeit zu erfahren, dass der Zug 19 Std. Verspätung hat. Ein kleines Missverständnis, was darauf beruhte, dass wir andere Auffassungen von Zeitangaben haben, wie sich später herausstellte. Schlussendlich starteten wir mit nur 5 Std. Verspätung. Unser Abteil teilten wir uns mit einem tansanischen Pastor und einem Sambianer. Los ging es in die Dunkelheit von Tansania. Durch die Verspätung war es uns leider vergönnt den Mikumi Nationalpark bei Tageslicht zu durchqueren. Die Anstrengungen der letzten Tage und wohl auch die Gemütlichkeit der Betten beförderten uns schnell in das Land der Träume. Sehr ergiebig war diese Nacht aber nicht, da das hin und wieder scharfe Bremsen und Anfahren des Zuges, gepaart mit abrupter Radblockierung einzelner Wagons, was sich von dem nicht besten Zustand des Gleisbetts herführen ließ, den Zug zum Rütteln, Schütteln, Hüpfen und dergleichen brachte. (kleine Anmerkung: auch wenn es anstrengend ist, bitte fleißig weiter Bohren Eike). Von unserem letzten Schillingen gönnten wir uns ein schmackhaftes Frühstück im Zugrestaurant, in dem mit inzwischen 12 Std. Verspätung durch die tansanische Buschlandschaft donnernde TAZARA Express. Wieder im Abteil zurück wurden wir regelrecht vom Glauben der beiden Mitreisenden überrumpelt. Malte konnte sich aus der Affäre ziehen, indem er sich schlafend stellte. Der arme Niklas musste sich über eine Stunde dafür rechtfertigen, dass er nicht glaubt in die Hölle zu kommen, auch wenn er kein frommer Christ ist. Sie schafften es nicht ihn weich zu kochen und dazu zu bringen, sein Leben der Bibel zu widmen. Auch Sätze wie: „Du musst an Jesus glauben, sonnst kommst Du in die Hölle“, halfen nichts.
Zum Glück hatten aber diese Diskussionen ein Ende, sodass Malte seine Augen endlich öffnen und sich sehnsüchtig aufs Klo schleichen konnte. Leichte Rückenschmerzen hatten sich bei ihm breit gemacht, da er in seiner Ruheposition ausharren musste um nicht aufzufallen. Um die Möglichkeiten von Folgegesprächen mit dem Thema zu entgehen, beschränkten wir uns auf Kartenspielen, gelegentlichen Smaltalk und Kekseessen. Am Abend erreichten wir, später als gedacht, Mbeya, wo der Pastor uns verließ. Einige Stunden später, die aufgrund von technischen Problemen wenig mit Fahren verbracht wurden, stürmten die Grenzer in unser Abteil. Mittlerweile lagen wir wieder in unseren Kojen. Scheinbar wollte die nette Grenzbeamtin die gemütliche Stimmung nicht stören und hockte sich kurzerhand auf die Bettkante. So glich die Ausreisepasskontrolle eher dem Vorlesen einer Gutenachtgeschichte. Vorbei war es mit Tansania, doch nicht nur damit. Auch die Fahrt war wieder mal vorbei. Die technischen Mängel waren so groß, dass eine Ersatzlok her musste, wie sich später herausstellte. In den frühen Morgenstunden ging es aber endlich weiter. Doch auf kurze Fahrt folgte wieder ein längerer Halt. „Immigration“ brüllte es von allen Seiten. Wieder kamen einige Grenzer in unser Abteil, gingen aber schnell wieder als sie merkten, dass wir Deutsche sind und ein Visum benötigten. Dafür schickten sie einen kleinen Mann, der uns mit seinem grauen Mantel an einen Stasibeamten erinnern ließ. Zwei lange weiße Haare ragten aus seiner Nase die auf dem dunklen Untergrund gut zur Geltung kamen. Er schien ein wenig unausgeschlafen oder unfähig zu sein, was aber nicht nur uns auffiel, sondern auch einem seiner Kollegen, der ins Abteil zurück kam, ihm den Block weg nahm und selber Stempelte. Grenzer raus aus dem Abteil, Tür zu und noch ein bisschen schlafen, zumindest so lange bis es Kaffee gibt. Der ließ aber doch so lange auf sich warten, dass wir vorher wach wurden. Mittlerweile hatten wir über die hälfte der Strecke geschafft und hofften insgeheim, dass wir mit der Verspätung noch bis zum nächsten Morgen brauchen würden um den Zielbahnhof zu erreichen. Spart eine Nacht Unterbringungskosten und den Stress mitten in der Nacht einen Bus nach Lusaka auf zu treiben.

Nach Oben

spur

Sambia

16.04.2008

Leider hat der Kohlenschipper zu viel geheizt, sodass die Geschwindigkeit so schnell war, dass wir einen Großteil der Verspätung wieder aufholen konnten. Schlussendlich erreichten wir Kapiri Mposhi um halb 2 in der Nacht mit nur 12 Std. Verspätung. Von hier aus waren es noch 2 Std. nach Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Für uns nicht ganz logisch ist, warum die direkte Bahnstrecke von Dar Es Salaam 200 km vor der Hauptstadt aufhört. Zumindest gab es aber Busse die von Kapiri Mposhi direkt nach Lusaka fahren. Eine größere amerikanische Reisegruppe, die das gleiche Ziel hatte, kreuzte unseren Weg. Deren Drang schnell und zügig loszukommen, war unser Vorteil, da wir uns nur anschließen und in den Bus setzen mussten. Die obligatorischen Polizeikontrollen auf der Strecke durften natürlich nicht fehlen. Einer der Beamten musste es natürlich übertreiben und wollte alle Pässe sehen. Durch sein rüpelhaftes Auftreten und sein Äußeres fiel es uns aber schwer ihn ernst zu nehmen. Aber nachdem er alle Papiere bis aufs Kleinste kontrolliert hatte, verließ er den Bus und wir konnten weiterfahren.
Völlig übernächtigt erreichten wir nach einer anstrengenden und unbequemen Busfahrt Lusaka. Die Metallstangen unter den Sitzen bohrten sich in den Allerwertesten und ins Kreuz. Hin und wieder flog Erbrochenes aus dem Fenster. In der Hauptstadt angekommen trennten wir uns von den Amerikanern und machten uns auf den Weg in ein Backpackers, wo auch die Möglichkeit bestand zu Zelten. Mittlerweile war es Vormittag und ein leichtes Hungergefühl machte sich in unseren Mägen breit, sodass wir uns auf Nahrungssuche begaben. Ein riesen Einkaufszentrum tauchte am Horizont auf. Es schien sehr unwirklich, da wir uns mitten in Afrika befanden und jetzt das Gefühl hatten in Europa einkaufen zu gehen. Der Vorteil hier war, dass wir endlich mal wieder richtiges Brot kaufen konnten. Dieses verspeisten wir mit einem sahnigen Kräuterfischkäse. Nach diesem Festmahl ging es weiter Richtung Internetcafe und zurück um uns unserem Tagesgeschäft, dem Fahrradkauf zu widmen. Schnell wurden wir fündig und sind jetzt stolze Besitzer zweier schwarzer Fahrräder, Marke Indien, mit völlig beschissenen Bremsen, aber jeder zweite fährt in Afrika mit so einem Rad herum. Die geringe Bremsleistung hat den Vorteil, dass wir vielleicht schnell in Südafrika ankommen. Stolz wie Oskar über unsere Errungenschaft radelten wir gen Zeltplatz. Auf dem Heimweg erfreuten sich viele heimische Radler über das Bild zweier Weißer auf deren Luxusrädern. Daumen hoch war bei denen das Motto! Schnell unser mobiles neues zu Hause aufgeschlagen und die vom wenig Schlafen strapazierten Körper ausruhen.

19.04.2008

Den nächsten Tag nutzten wir um uns mental und die Fahrräder funktional auf die lange Reise vorzubereiten. Wir nutzten noch mal die Gelegenheit der Shoppingmall und kauften Proviant für die nächsten Tage.
Doch an diesem Tag sollten wir auch an ein schmackhaftes Mahl kommen. Es gab Nudeln und Gemüseschmadder mit Pilzen, welches wir selber gekocht haben. Lecker, lecker.
Am folgenden Tag war der Startschuss für unsere Fahrradtour gen Süden. Mit den ersten Sonnenstrahlen wachten wir auf und genossen die Möglichkeit noch in der Horizontalen der morgendlichen Nahrungsaufnahme zu frönen.
Alles in Allem dauerte es noch ewig bis wir endlich loskamen. Wir verbrachten den halben Vormittag damit unsere Sachen zu verstauen, verschiene Möglichkeiten der Befestigung der Taschen auf den Fahrrädern auszuprobieren und ein letztes Mal den Reifendruck zu kontrollieren. Wobei Malte feststellen durfte, dass das Vorderrad schon keine Luft mehr hatte. Aber mit unseren High-Tech-Handpumpen war auch dieses Problem schnell behoben. Zumindest fürs erste. Gegen Mittag hatten wir es dann endlich geschafft, das Chachacha Backpackers mit seinem freundlichen Personal zu verlassen. Es dauerte noch einige Zeit, bis wir den Großstadtverkehr hinter uns gelassen hatten. Ein wenig eierig war das Fahren schon, da der Schwerpunkt, der sich auf dem Gepäckträger befindlichen Sachen, ziemlich weit oben lag. Auch sind die Räder nicht so fahrstabil, wie wir es bisher gewohnt waren. Das Klima war optimal zum Radeln und so hielt sich das Geöle in Grenzen. Bis auf ein paar Windböen von vorne, ließ es sich auf dem Asphalt gut fahren. Bei der ein oder anderen Steigung vermissten wir jedoch die Möglichkeit des Schaltens. Nach etwa 50 km hatten wir das Tagesziel Kafue erreicht. Hier kauften wir noch ein Schloss und eine Kette um unsere Räder gegen Diebstahl bei Nacht zu sichern. Kurz hinter dem Ort sollte ein Campingplatz liegen. Dieses stelle sich jedoch als ein Irrtum heraus und ein Motel, wo die Möglichkeit bestand zu zelten, war das Ende einer Reihe von Hinweisschildern. Die total unfreundliche Dame hinter der Rezeption zeigte uns die Wiese, wo wir unser Zelt aufschlagen könnten, doch als wir die Preise gehört hatten, suchten wir das Weite. Hier hatten wir das erste mal das Gefühl, dass Weiße nicht sonderlich erwünscht sind. Zurück an der Straße versuchten wir unser Tramperglück. Zum einen waren bei Malte mittlerweile beide Reifen platt und zum anderen war der nächste Ort so weit entfernt, dass es unmöglich war dieses via Fahrrad zu erreichen. Nach kurzer Zeit hielt ein Pick-Up, der nicht nur uns sondern auch unsere Räder mitnehmen konnte.
Eine Fahrstunde später waren wir in Mazabuka angelangt. Die erste Möglichkeit des Übernachtens war wieder sehr teuer und wieder hatten wir nicht das Gefühl willkommen zu sein. Nach eindringlichen Fragen unseres Fahrers nach einer kostengünstigen Möglichkeit zu Zelten lieferte er uns bei einem Bekannten ab. Eine kurze Preisverhandlung mit den Beiden blieb nicht aus, aber dafür hatten wir ein bequemes Bett in seinem Haus, da er das Zelten vor seinem halb leer stehenden Haus für überflüssig befand. Malte nutze das letzte Tageslicht um die ersten Reparaturen an seinem Drahtesel vorzunehmen. Da hatte wohl jemand mit dem Aufdruck „Supreme quality garantied tested“ etwas geschummelt. Wir hatten zwar Reifen und Schläuche, jedoch wurde am Felgenband gespart. Das war wohl auch der Grund warum bei Maltes Rad beide Reifen platt waren. Mit ein wenig Duck-Tape konnte er diesen Fehler jedoch beheben und mit zwei neuen Schläuchen war auch fast wieder alles komplett. Leider muss man für den Wechsel des Hinterrades das halbe Fahrrad auseinander schrauben. Beim Aufpumpen stellten wir jedoch fest, dass unsere Pumpen derartig schrottig waren, dass eine ordentliche her musste. Das hat man davon, wenn man sich beim Kauf von Neuware darauf verlässt, dass alles funktioniert. Da unsere Mägen am Knurren waren, machten wir uns noch auf in die Innenstadt um etwas essbares zu finden. Ein paar Peter-Besuffnix verhinderten ein gemütliches Abendessen. Auf dem Heimweg wurden wir das Gefühl nicht los, als Weiße in Sambia weitab der Touristenattraktionen nicht willkommen zu sein. Bei unserem Gastgeber angelangt, wurden wir erst einmal über die Missstände in Sambia aufgeklärt. Auch wissen wir jetzt, dass wenn man in Sambia 6 Monate mit einer Frau zusammenlebt, automatisch verheiratet ist. Er erzählte uns, dass fast alle Weißen in dieser Gegend reich sind und sich aufführen wie noch zu Kolonialzeiten. Was wohl erklärt, warum man nicht immer mit Freundlichkeit begrüßt wird. Je mehr wir uns mit ihm unterhielten desto lockerer wurde die Stimmung und später bekamen wir auch noch ein leckeres Abendessen vorgesetzt. Da wir müde waren von dem anstrengend Tag, gingen wir früh zu Bett. Zuvor klärte sich noch, dass ein Freund unseres Gastgebers uns am nächsten Tag an die 200 km in Richtung Süden mitnehmen konnte.
Dieses Angebot nahmen wir natürlich gerne an. Zumal wir die komplette Strecke nach Südafrika eh nicht in einem Monat komplett bewältigen können. Nicht mit den Möhren und nicht mit unserer Kondition.
Von leichtem Muskelkater geplagt erwachten wir am nächsten Morgen. Ja, auch wir sind älter geworden und mittlerweile keine 16 mehr.
Schnell verluden wir noch die Räder, diverses Gepäck und Ausrüstungsgegenstände des Bekannten Cars, der fürs Umweltministerium arbeitet. Bevor wir den Dachüberdemkopfgeber der letzten Nacht verließen, stellte er klar, dass er kein Geld von uns haben will und dass er es beschämend findet, dass alle immer auf die Kohlen der Anderen aus sind.
Im Pick-Up waren wir dann zu fünft: Cars, der Fahrer, ein weiterer Mitarbeiter und unsere Wenigkeiten. Schon bald machten wir stopp in einem nahe gelegenen kleinen Wäldchen um dort das Laub des Niim-Baumes zu pflücken. Dies brauchte diese kleine Gruppe von Umweltschützern um ihrer Arbeite nachzukommen. Sie sollten in der Nähe von Choma einen von Schädlingen befallenen Wald retten. Anstelle von Chemikalien sollte ein Sud aus den Blättern helfen. Dieses wollten sie mit der dort lebenden Bevölkerung ausprobieren, damit diese sich später selbst helfen kann.
In Choma angekommen fanden wir ein gemeinsames Quartier für die Nacht. Wir nutzen den Rest des Tages um eine Pumpe zu besorgen und dem alltäglichen Geschäft nachzukommen.
Am Abend gab es noch ein kleines Bastelstündchen, sodass jetzt alle Räder mit improvisiertem Felgenband versehen sind und die Luft in den Schläuchen bleibt. Zu unserem Schrecken mussten wir feststellen, dass das frisch gekaufte Brot nach kurzem Zimmeraufenthalt von Kakerlaken befallen war und diese sich wie selbstverständlich durchs Zimmer bewegten. Doch sie hatten die Rechnung ohne Maltes Schuhe und die Klospülung gemacht.
Die heutige Etappe sollte uns in das ca. 60 km entfernte Kalomo führen.
Am späten Vormittag starteten wir in Richtung Süden. Unsere Muskeln und Kniegelenke hatten sich von der ersten Tour soweit erholt, dass es mühelos voran ging. Lediglich ein kleiner Berg machte uns etwas zu schaffen. Wir genossen die Fahrt auf der asphaltieren Straße, die von Buschwerk gesäumt war. Vereinzelte Häuser tauchten hin und wieder auf. Nur selten wurden wir von Autos oder LKW's überholt. Die Straße schien leer zu sein. Die einheimischen Lastenradler grüßten freudig ab, als sie unsere Gefährte sahen. Zwei drei kleine Pausen und einige quietschende Momente später waren wir am Zielort. Schnell hatten wir dort einen Platz für die Nacht ausgemacht. Die von außen sehr einladende Herberge gab uns ein Dach für die Nacht. Was außen gut aussieht, kann innen jedoch sehr sehr schäbbig sein. Aber billich, will ich. Es schien unmöglich zu sein außerhalb der touristischen Orte einen Campingplatz für unser Zelt zu finden, zumal die lokalen Herbergen genau so viel kosten wie sonst die Zeltplätze. Die beiden netten Küchenmädels bereiteten uns noch ein köstliches Mahl. Der volle Magen und die schweren Beine, gepaart mit der sanften Stimme der elektronischen Lesung von Harry Potter brachten uns bald in das Land der Träume.
Frühes Einschlafen hat meist zur Folge, dass man auch früh wieder aufwacht.
So auch an diesem Tage. Noch die Wasserflaschen gefüllt und ab auf die Piste. Heute machte sich zum ersten Mal bemerkbar, dass ein Fahrrad mit Gangschaltung doch den ein oder anderen Vorteil hat. Nach guten 10 km brachen wir das Vorhaben ab an diesem Tag bis nach Livingstone zu radeln. Es war unmöglich wirklich warm zu werden, bergab konnte man das Treten komplett vergessen, weil die Übersetzung so gering war und bergauf schmerzten schnell die Knie. Unsere Körpermassen zu nutzen und uns mit voller Kraft in die Pedale zu stemmen war unmöglich da der überladenen Drahtesel sonst schnell ins Schlingern gekommen wäre. Auf einer kleinen Anhöhe hielten wir Ausschau nach einer möglichen Mitfahrgelegenheit.
Ein bisschen Schatten spendete uns ein kleines Bäumchen, was das Warten erträglich machte. Wer hätte es gedacht, eine halbe Stunde und drei vorbeifahrende Autos später, hielt ein großer LKW. Schnell waren die Räder in den leeren Frachtraum geladen und los ging die Fahrt. Kurze Zeit später wurde unsere Entscheidung bestätigt, da die Straße so schlecht wurde, dass sie Reiter und Pferd zerrissen hätte. Mit den vielen Schlaglöchern glich sie einem Schweizer Käse. Auch unser Fahrer hatte Mühe seinen rollenden Haufen Stahl um diese herum zu manövrieren. So kam es dann auch, dass er von links außen nach Böschung rechts fuhr und das Ganze wieder zurück, sprich von Böschung rechts nach Böschung links und wieder zurück auf die Fahrbahn. Die entgegenkommenden Fahrzeuge taten es ihm gleich. Beim Gedanken daran, dass wir mit unseren kleinen Fahrrädern zwischen diesen motorisierten Monstern dahin strampelten, stimmte es uns froh, dass wir jetzt das Ganze aus der Fahrerkabine eines LKWs betrachten konnten.
Ein bekanntes Multicarproblem verschonte auch dieses Gefährt nicht. Der schmutzige Diesel verstopfe sämtliche Filter. Dieses Problem schien bekannt zu sein, sodass er mittlerweile vier Filter hatte, was aber auch nicht viel half. So kam der LKW zum stehen. Also Kabine hoch geklappt und alle Filter abgeschraubt. Auf sehr ungesunde Weise reinigte der Beifahrer die Filter, indem er diese mit Diesel füllte und dann mit dem Mund durch blas. Dabei landeten nicht unerhebliche Mengen auf dem Boden und in seinem Mund. Nach dem Reinigen ging es aber erstmal weiter. Das Fahrgefühl war nur von kurzer Dauer. Also hielten wir wieder, zum Glück hinter der Kuppe eines Hügels. Diesmal waren nicht nur die Filter zu sondern auch die Kraftstoffleitung. Der Co-Pilot ließ es sich nicht nehmen, diese mit dem Mund frei zu saugen und dann mit einem Mund voll Diesel in die andere Richtung durch zu spülen. Allein das Zusehen machte uns Kopfschmerzen. Wieder zusammengeschraubt, sprang der Bock aber trotzdem nicht an. Schnell war die Batterie von den vielen Startversuchen leer, sodass Muskelkraft gefragt war. Mit Leibeskräften schoben wir den LKW in Richtung Tal. Noch ein kurzes Stück bergauf und er sprang endlich an. Der nächste Halt war Livingstone, wo wir schnell einen Platz fanden, um unser Zelt aufzuschlagen.

25.04.2008

Zuviel bunte Malereien + etliche Chill-Out- und Relaxbereiche + unendliche Hinweisschilder auf schlechtes Kama bei nicht Einhaltung sämtlicher Regeln = viel zu großer Hippiefaktor. Leider war das bei der hiesigen Einrichtung der Fall. Und auch das Personal war SUPER entspannt und total gut drauf.
Schon auf der Fahrt nach Livingstone konnten wir aus weiter Ferne die Gischt der Victoriafälle sehen. Dies Naturschauspiel konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Den angebrochenen Tag nutzen wir jedoch erstmal um uns wieder richtig sauber zu machen, zu speisen und früh ins Bett zu gehen um ausgeruht für die Wasserfälle zu sein. Die notwendige Fahrradgrundinstandsetzung verschoben wir auch auf den nächsten Tag. Das schöne Backpacker, in welchem wir uns befanden, stellte kostenlos einen Bustransfer zu den Vic Falls zur Verfügung. Unseren kräftigen Fahrer mit einem Dauergrinsen im Gesicht zierte ein riesen Strohhut, der für diesen Kopf allerdings viel zu klein war, sodass er nur auf dem Hinterkopf saß. Den Rest des Busses füllten nervige Touristen. Eine kurze Fahrt später standen wir schon am Tor zu den Wasserfällen. Schon hier spürten wir eine leichte Gischt die Luft befeuchten. Guter Dinge stellten wir uns in der Schlange an. Doch wer trat uns vor die Augen? Der Autor des Reise-Know-How für Tansania, Jörg Gabriel mit Frau und Kind. Malte hatte vor 5 Jahren bei seinem ersten Tansaniaaufenthalt für ihn und seine ach so tolle „Hatari-Lodge“ gearbeitet. Ist dann aber früher als geplant abgereist, da es sich um ein Riesenarsch handelte. Eigentlich hatte Malte gehofft ihn nicht wieder zusehen, aber unverhofft kommt halt oft. Nach kurzem Gespräch stellte auch Niklas fest, dass es sich um zwei unsympatische Zeitgenossen handelte. Es ist traurig, wenn man sich nach 5 Jahren wieder sieht und man gleich damit anfängt über nicht anwesende Personen zu lästern. Noch trauriger ist, dass renomierte Verlage für ihre Afrikareiseführer Autoren aussuchen, die den Kollonialgedanken noch immer nicht ganz verworfen haben.
Von dieser kleinen Miesere ließen wir uns aber unsere Laune nicht verderben.
Kurz hinter dem Tor war die Luftfeuchtigkeit schon so hoch, dass es fast unmöglich war, die Kamera rauszuholen. Uns bot sich ein beeindruckendes Naturschauspiel: donnernde Wassermassen umhüllt von Gischt und Regenbögen. Kleine Flecken strahlenden Sonnenscheins wechselten sich ab mit Wassermassen, die erstaunlicherweise von oben kamen. Eben diese Massen, die aus dem Nichts zu kommen schienen, versperrten uns häufig die Sicht und den Weg. Es war unmöglich das ganze Spektakel mit den Augen zu erfassen. Das ein oder andere Foto gelang doch unter lebensmutigem Einsatz von Maltes Kamera. Am Ende war nicht nur die Kamera nass, sondern auch wir waren durch bis unter die U-Hose. Dummerweise hatte Malte noch das ein oder andere wichtige Papier in seiner Tasche vergessen und auch Geldnoten aus Niklas' Tasche mussten zum Trocknen aufgehängt werden. Somit war die Geldwäsche, die durch den Tausch in Sambia nötig war, vollzogen und wir konnten ruhigen Gewissens das Geld zur Bank bringen. Triefend traten wir auf die Straße um einen Bus in Richtung Stadt zu erwischen. Der ließ auch nicht lange auf sich warten. So konnten wir uns bald, nachdem wir eine ordentliche Portion Nudeln mit Soße verspeist hatten, die wir uns selber zubereitet hatten - man mag es kaum glauben, aber es schmeckte gut - frisch gestärkt daran machen, die Fahrräder langstreckentauglich zu machen. Sämtliche Lager bauten wir auseinander und fetteten sie richtig. Hier stellten wir fest, dass die Damen und Herren Hersteller unserer Räder wohl schon etwas von einem fettlosen Lager gehört haben müssen. Bei unseren Rädern war dieser technische Fortschritt jedoch nicht zu sehen und einfach das Fett wegzulassen bringt es dann auch nicht.
Zwischen den ganzen rumlagernden Fetten flickte Malte noch schnell einen Reifen. Das war der 4. Platten an Maltes Maschine. Am Abend pflegten wir noch etwas Konversation um einen Partner fürs Kartenspielen aufzutreiben. Wir hatten Erfolg und so zockten wir noch ein paar Runden.
Frisch und voller Tatendrang brachen wir auf in Richtung Grenze zu Botswana. Als wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen hatten, schien Malte wieder ein Plattenproblem zu haben. Da es schon zu fortgeschrittener Stunde war, was darauf beruhte, dass wir unsere zarten Ohren mit ein wenig Hörspiel verwöhnten, versuchten wir auf ein motorisiertes Fahrzeug aufzuspringen. Unser heutiges Ziel war das in Botswana gelegene Nata welches 300 km im Landesinneren lag. Diese Strecke schien uns eh unmöglich mit dem Fahrrad zu bewältigen, da auf der sambischen Seite die Straßen miserabel waren, mehrere Zentimeter tiefe Schlaglöcher mit scharfer Asphaltkante wären das Aus für jedes unserer Räder gewesen. Auf der botswanischen Seite lag ein Nationalpark und immer wieder wurden wir gewarnt die Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen, da wilde Tiere die Straße kreuzen. Wieder einmal war uns der Trampergott hold und schickte uns einen seiner Apostel. Den ersten Teil der Stecke bis zur Grenze verbrachten wir zusammen mit unseren Rädern und kleinen Mengen von Diesel auf der schmierigen, offenen Ladefläche. Kurz vor der Grenze wechselten wir in den geschlossenen Fahrerbereich. Schnell stellte sich heraus, dass unser Henker am Lenker durch ganz Botswana musste und uns somit bis nach Nata mitnehmen konnte. Bei den nötigen Formalitäten an der Grenze merkten wir, dass er es wirklich eilig hatte. Komplett gestempelt und ausreisefertig stiegen wir zurück in den LKW. Schnell wollte sich unser Pilot vordrängeln, da die Schlange etliche Kilometer lang war und immer nur ein LKW mit der Fähre den Grenzfluss überqueren konnte. An der Absperrung zur Fähre angelangt, schlossen die Grenzer schnell die Durchfahrt, worauf sich unser Fahrer so dermaßen aufregte; es hagelten Worte wie „your fuckin’ asshole“, „ your bloody shit“ auf den armen Grenzbeamten nieder. Dieser blieb locker und versuchte zu beruhigen. All dies half aber nichts und unser Fahrer ging wutentbrannt zum Chef des Grenzvereins. Hier konnten wir das erste Mal den wahren Umfang seines Bauches sehen. Ein Meisterwerk der Statik, wenn man die dünnen Beine bedenkt. Kurze Diskussion und wir konnten endlich aufs Fährgelände. Hier wurden wir Zeuge des größten Chaos, welches wir an einer Grenze gesehen hatten. Etliche LKW's standen quer und behinderten sich beim weiterfahren und zwischendrin sprangen noch diverse Menschen rum. Unser Fahrer schmierte noch schnell den Fährbeauftragen, sodass wir auf der nächsten Fähre mit konnten. Anschließend schickte er ihn, den Colajungen holen. Als dieser ankam, war gerade noch genug Zeit die kalten Flaschen einmal anzufassen und dann gleich zurück zu geben, da die Fähre startbereit war. Ein paar Minuten Fährfahrt über den vom Kraftstoff wunderbar bunt schillernden Zambezi River waren wir auf der botswanischen Seite.

Nach Oben

spur

Botswana oder gegen den Wind

25.04.2007

Auf der botswanischen Seite gingen wir zur Immigration um uns abstempeln zu lassen. Das erste Mal ohne einen Pfennig zu bezahlen. Da in Botswana in einigen Teilen die Maul- und Klauenseuche herrscht, gibt es überall verteilt Desinfektionsbäder für Reifen und Schuhe um das Ausbreiten zu verhindern. So auch hier. Der LKW fuhr durch ein Desinfektionsmittelbad und wir stapften fröhlich pfeifend über den Desinfektionsschwamm. Zurück zum motorisierten Gefährt und los ging die Fahrt. Wir kamen nicht weit, da sich eine Elefantenherde aus dem Busch in Richtung Straße wagte. Wir waren froh, nicht auf unseren Rädern diesen Massen von Knochen und Muskeln gegenüber zu stehen. Die Kälber und Jungtiere waren schnell wieder im Gebüsch verschwunden, die ausgewachsenen Elefanten schielten aber aufmerksam zu uns herüber. Als die Straße frei war, ging die Fahrt mit Vollgas weiter. Die reifenzermürbenden Schlaglöcher und die zum Teil fehlende Fahrbahn schienen unserem Fahrer egal zu sein. Materialschonung schien ein Fremdwort zu sein. Mit einer konstanten Geschwindigkeit von 120 km/h erreichten wir den nächsten Desinfektionsposten, nicht ohne zwischendurch noch an einer Tanke halt gemacht zu haben, um das Magenknurren und die aufkommenden Müdigkeit mit Schokoriegeln und Cola zu bekämpfen. Hier mussten wir auch unsere Räder durch das Desinfektionsbad manövrieren. Traurig stellte Niklas fest, dass die nötige Luft aus seinem Vorderrad entwichen war. Der alte Langweiler hatte sich das Vorderrad ausgesucht. Maltes dagegen probierte es immer wieder mit dem aufwendig auszubauenden Hinterrad. Man könnte meinen, dass es ein krampfhafter Drang ist, sich mit Arbeit voll zu laden.
Die Räder auf der Ladefläche, dauerte es auch nicht mehr lange und wir waren in Nata, dem ersten Ort hinter der Grenze. Wir kauften noch ein paar Köstlichkeiten, Baked Beans mit Toast, fürs Abendbrot ein. Kurz hinter Nata lag ein Campingplatz. Hier trennten sich unsere Wege. Mit Vollgas brauste er davon. Wir stellten unser Zelt auf dem weitläufigen Platz auf, verspeisten die Bohnen und vergnügten uns den Rest des Abends mit Kartenspielen.
In der Nacht wurden wir hin und wieder wach, da es zum einen merklich kühler geworden war und unsere Kunstfaserdecken den Temperaturen nicht gewachsen waren, und zum anderen, da es eine Herde von behuften Tieren um unser Zelt unwesentlich trieben. Wir nehmen an, es waren Zebras, konnten sie aber leider nicht sehen sondern nur hören, da wir eingewickelt in unsere Decke zu faul waren, einen Blick aus dem Zelt zu wagen. Ihre Spuren im Sand verrieten am nächsten Morgen, dass wir nicht geträumt hatten. Fahrradflicken, zähneputzen, aus dem Campingschrotthaufen die eventuellen Ersatzteile für unser Zelt wegfinden, alles verstauen und los ging die Fahrt. Nach dem ersten Warmlaufen der Motoren legten wir einen Zwangsstopp ein, da Malte mal wieder einen Platten im Hinterrad hatte. Die Mittlerweile schon routinierten Handgriffe beim Wechsel des Hinterrades ließen die Weiterfahrt nicht lange auf sich warten. Der erste Wegweiser verwies auf das 58 km entfernte Musetse, welches wir zum Tagesziel erklärten. Wir strampelten wie die Blöden auf den schnurgeraden Straßen durch Botswana. Das einzige Hindernis war der Wind der abwechselnd von vorne, von schräg seitlich vorne, von der Seite und dann wieder von vorne kam. Hinzu kam noch, dass er sich vom leichten Pusten zu heftigen Böen aufbäumte. Den ganzen Tag über begegneten wir keiner Menschenseele. Auf einmal tauchte ein Hinweisschild mit der Angabe, dass es noch 5 km bis zum Ort seien auf. Dies veranlasste uns die letzten Kräfte zusammenzusammeln und den Endspurt anzutreten. Wie als wenn sie uns erwartet hätten, hatte sich eine kleine Anzahl von Menschen am Ziel versammelt. Freudig wurden wir begrüßt, Hände wurden geschüttelt, Schönheiten des Dorfes hängten uns Blumenkränze um den Hals. Ein kaltes koffeinhaltiges Getränk später, wurde uns auch schon ein Schlafplatz hinter der Konsumeinrichtung angeboten. Als wir so da saßen, trat plötzlich ein Mann zu uns und fragte, wo wir die Nacht verbringen wollen. Wir zeigten auf die Stelle, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten, worauf er nur lachte und sagte, dass sein Garten weitaus ruhiger liegt und angenehmer ist. Außerdem bot er noch an, sich bei ihm zu duschen und zu essen. Wir nahmen dankend an und folgten seinem Geländewagen durch die Dunkelheit. Am Ende des Dorfes machten wir halt. Einen kleinen Neubau nannte er sein Eigen. Er fragte, ob wir wirklich zelten wollten, oder ob wir nicht lieber mit den Matratzen im Wohnzimmer Vorlieb nehmen wollten. Faul wie wir waren und der Gedanke an eine bequeme Nacht im Hinterkopf, entschieden wir uns für das Letztere. Unser Gastgeber hatte seine Ausbildung zum Keramiker in Schweden gemacht. Er war ein weltoffener und sehr sehr freundlicher Zeitgenosse. Für ihn war es selbstverständlich Fremde einzuladen und zu beherbergen, damit sie als Freunde gehen können. Zum Essen fuhren wir zu seinen Eltern. Er stellte uns seiner Mutter vor, die noch bis spät abends in ihrem kleinen Laden arbeitete. Dies machte sie aus reiner Freude, da es an Geld in der Familie eigentlich nicht mangelte. Das von seiner Schwester bereitete Mahl zählte auf jeden Fall zu den Besten, die wir auf der ganzen Reise gegessen haben. Anders als in Sambia fühlten wir uns sofort herzlich willkommen und konnten uns durchs ganze Haus bewegen. Die Lust auf ein weiteres Bier trieb unseren kleinen Töpferer zum Aufbruch an. Schnell noch am Kiosk Halt gemacht, ein paar Hülsenfrüchte eingeladen und es ging zurück zu seiner Behausung am Rande des Dorfes. Da der Neubau noch nicht ans örtliche Stromnetz angeklemmt war, lauschten wir den Klängen aus seinem Autoradio, vor seinem Haus sitzend. Er erzählte noch von den „Delta Potters“, seiner Töpferei und wieso Serienproduktion eigentlich keinen Sinn ergibt. Zufrieden schlummerten wir bald auf unserem bequemen Nachtlager ein. Der nächste Tag begann damit, dass wir wieder zu seinen Eltern fuhren um dort zu frühstücken. Dies lag daran, dass weder Strom noch Wasser in seinem Haus zur Verfügung stand. Wir nutzen die Gelegenheit uns von seinen Eltern zu verabschieden und brachen bald wieder auf um unsere sieben Sachen zu packen und fleißig in die Pedalen zu treten. Ein Blick auf die Baumwipfel zeigte uns, dass der Wind an Stärke zugenommen hatte. Wir radelten so dahin, machten die ein oder andere Pause um uns von den Windattacken zu erholen, Unmengen an Wasser oben reinzukippen und genossen die Landschaft. Irgendwann wurden wir dann müde vom Radeln und unser Gefühl und die Anzeige auf den Kilometertafeln sagte uns, dass es für heute reicht. Also scharf gebremst und umgeschaut, dem freundlichen Rufen einer Farmerin gefolgt, und zack, hatten wir einen Platz für unser Zelt.
Die vom Dauerlächeln befallene Moren bot uns ein Platz auf ihrem Anwesen an. Noch öfter hörten wir an diesem Tag ihr freudiges Gelächter. Bald brach die Dämmerung ein und wir machten es uns im Zelt bequem. Natürlich verspeisten wir vorher noch ein paar Baked Beans und spielten ein wenig Karten. Die noch nicht perfekt ausgereifte Konstruktion unser Decken, ließ wieder etwas Kälte durch, die Zebras ließen uns in Ruhe aber dafür spielte der Hahn mitten in der Nacht nicht nur einmal mit seinem Leben. Sein Glück, dass wir keiner Fliege was zu Leide tun können. Aufgrund dieses Bioweckers waren wir früh am Morgen wach, frühstückten und packten unser Zeug. Wir wollten uns noch für die Übernachtung bedanken, was jedoch unmöglich schien, da sie sich mehr bei uns bedankte, dass wir ihren Platz aufgesucht hatten. Ab auf die Bahn und in die Pedale getreten. Den Wind mal Wind sein gelassen und die letzten Kilometer nach Francistown abgerissen. Abgerissen war hier jedoch der Fahrbahnbelag, sodass der Seitenstreifen gänzlich fehlte. Da der Verkehr stark zugenommen hatte, wäre dieser hier aber angebracht gewesen. Das ein oder andere riskante Überholmanöver von einigen Fahrzeugen blieb nicht aus, aber heil erreichten wir gegen Mittag Francistown. Binnen einer Stunde hatten wir einen Platz für die Nacht ausgemacht. In der Ecke hinter einem Guest House konnten wir unser Zelt aufschlagen. Das ständige Lächeln und der Hinweis, dass wir uns wie zu Hause fühlen sollten, hielt uns davon ab weiter zu suchen. Wir stürzten uns in die Konsumhölle um nötige Vorräte für die nächste Etappe einzukaufen. Im Supermarkt angelangt, machten sich plötzlich die gestrampelten Kilometer und die nicht unerhebliche Menge von Sonnenstrahlen bemerkbar. Wir waren plötzlich so was von fertig, dass wir kaum noch richtig denken konnten. Also Luken auf und erstmal was Festes oben rein. Lecker Weißbrot mit Schablettenkäse und Ketchup. Als Vitaminbeilage gab es einen Apfel. Dann ging es besser und wir konnten alles Nötige erledigen, bevor wir uns auf den Rückweg begaben.

04.05.2008

Noch immer geplättet von den letzen anstrengenden Tagen hängten wir noch eine Nacht in den angenehmen Gefilden dran. Das lag unter anderem daran, dass wir das erste Mal seit langem ausgiebig gefrühstückt hatten und dann einfach unsere Ärsche nicht mehr hoch bekommen haben. Unsere Quartiermeisterin war von unserem Plan begeistert, da sie uns schon in ihr mütterliches Herz geschlossen hatte. Auch die Möglichkeit auf eine heiße Dusche am Morgen nach den kühlen Nächten und der Genuss einer sauberen Toilette, optisch aufgewertet durch einen rosa bespannten Klodeckel, wie es bei einer heimischen deutschen Durchschnittsoma üblich ist, taten ihr Nötiges dazu bei. Als es dann dunkel wurde trafen neue junge männliche Gäste ein, es handelte sich um eine Fussballmannschaft die hier ein Match hatte. Unsere Mutti erklärte ihnen unser Anliegen in Botswana, worauf sie promt kopfschüttelnd reagierten. Sie wollten es uns mal wieder nicht glauben, dass man mit einem Fahrrad so weite strecken fahren kann. Auch, dass es nach unserer Meinung anstrengender wäre, 90 min über den Rasen zu wetzen als gemütlich durch die Landschaft zu radeln, wollten sie uns nicht glauben. Der Vergleich unserer mittlerweile zwar braun gewordenen aber vom Lehrnalltag in Deutschland geprägten Körper, mit den drahtigen muskelbepackten Körpern dieser Leistungssportler, ließ sie nicht davon abbringen uns als „very strong“ zu bezeichnen. Unseren Mägen gönnten wir noch einen Höhepunkt in Form von Pellkartoffeln mit Knoblauchbutter. Seit langem mal wieder etwas wirklich nahrhaftes, da sich die botswanische Küche primär auf Fleisch beschränkt. Großen Anklang fanden noch unsere in Äthiopien erstandenen Titanic-Spielkarten, bei unseren Kurzzeiteltern.
Wirklich früh am nächsten Morgen schafften wir doch den Absprung. Kurz und schmerzlos verabschiedeten wir uns von Martha, die ihre verlorenen Söhne jetzt wieder verloren wusste, und waren schon wieder auf dem Highway. Wir radelten und radelten und radelten und irgendetwas schien zu fehlen. Nach etlichen Kilometern wurde uns endlich klar, was fehlte: es war der Gegenwind nicht die Lerche im Sommerwind. Es war der erste Tag seit dem wir radeln, an dem uns der Wind zum Nutzen und nicht zum Nachteil war. Anscheinend spielte uns der Wind wirklich gut mit, sodass wir einen neuen Kilometerrekord von 90 km schafften und am Abend mal nicht total fertig waren. Da Wochenende war, schien wirklich das komplette Dorf in dem wir uns befanden schon seit längerer Zeit dem Alkohol nicht abgeneigt zu sein. Auch die ein oder andere Marihujana angereicherte Zigarette im Zeitungspapierlook tat ihr nötiges dazu bei, dass die bisher einfache Schlafplatzsuche aufgrund der nicht klaren Aussprache erschwert wurde. Auf einer Baustelle wurden wir endlich fündig, wobei der Besitzer uns noch eine stolze Summe Geld dafür abknüpfte. Der Platz lag direkt an der Hauptstraße und auch der Trucker-Stop und eine Waage für LKW’s war nicht weit. Die Waage beglückte uns noch bis spät in die Nacht mit einem monotonen: „Stop----------drive“. Hin und wieder gefolgt von einem ärgerlichen: „Stop---------stoop---stooooop“. Diverse Berge von Schutt, Müll und Autoteilen säumten unser Zelt. Ein abgelegendes Plumpsklo, welches eklig stank und auch sonst nicht einlud, war wohl der ausschlaggebende Punkt diesen Platz zum assigsten Übernachtungsplatz der ganzen Reise zu küren. Nach einer Portion Baked Beans und den gefahrenen Kilometern wurden unsere Augenlider doch schwer, sodass wir bald einschliefen. Die wärmenden Sonnenstrahlen am nächsten Morgen brachten uns wieder zum Aufstehen. Schnell das Zelt abgebaut, Wasser gefiltert und die anderen morgendlichen Geschäfte erledigt und los ging es weiter Richtung Süden. Gegen Mittag erreichten wir eine kleine Ansammlung von Häusern, wo auch ein kleines Geschäft zugegen war. Dieser kurze Stopp brachte einige Dorfbewohner darauf wieder die üblichen Fragen zu stellen: „Wo kommt ihr her“, Wirklich mit dem Fahrrad?“, „was macht ihr wenn ein Reifen platt ist?“ und beenden mit der Aussage: „Nach Gaborone ist es viel zu weit!“. Es war Wochenende und einer der Dorfgrößen erklärte uns, dass dann alle besoffen sind. Alle? Nicht alle, zumindest zwei Weiße strampelten sich redlich ab um zur Hauptstadt zu kommen. So radelten wir weiter um noch den ein oder anderen Kilometer abzureißen. Kurz vor der nächsten Stadt tauchten drei Häuser auf. Da wir die kostengünstige Variante draußen zu schlafen, statt in einer Stadt, vor zogen, machten wir halt, mit der Hoffnung hier unser Zelt aufschlagen zu können. Es handelte sich um einen kleinen Rastplatz und die freundliche Ladenbesitzerin verwies uns auf die dahinter gelegenen Häuser. Nach einigem Klopfen und Rufen machten uns dort ein paar junge Damen auf. Sie hatten noch ein freies Zimmer, welches sie uns anboten. Da es noch relativ früh war, nutze Niklas die Gelegenheit und das verbleibende Tageslicht um das Vorderrad mit dem Hinterrad zu tauschen, da dieses trotz der wenigen Kilometer schon sehr abgefahren war. Die Lust etwas gutes zu Essen, trieb uns zurück zum Rastplatz. Leider wurden wir erst einmal nicht fündig, da das gekochte Essen nicht für Gäste gedacht war. Während Malte ernsthafte Gefühle für den kleinen Hund der Restaurantbesitzerin entwickelte, vertrieb Niklas sich die Zeit bei einer Billardpartie mit der besagten Köchin. Diese hatte dann doch ein weiches Herz, sodass wir uns die letzten Spaghetti mit Kohle und Kürbis einverleiben konnten. Kurz drauf brach sie dann auf, da sie in der nahe gelegenen Stadt wohnte. So kehrten wir zurück in unser Ein-Zimmer-Luxusapartment, im Gepäck die zwei frisch erworbenen Dosen Hansa Pilsener. Nach näherem Betrachten des Wandschmucks, wurde uns klar, dass wir mal wieder die Nacht in einem ausrangierten Freudenhaus verbringen durften. Die beiden netten Damen waren wohl die letzten überbleibsel des zuvor geführten Geschäftes. Die Hoffnung auf eine mollig warme Nacht, ließ uns bald einschlafen. Leider wurden wir enttäuscht und so wachten wir wieder in den frühen Morgenstunden von der Kälte auf. Eingehüllt in unsere Decken verweilten wir doch noch bis die Sonnenstrahlen die Temperatur so weit erhöht hatten, dass es zum aufstehen einlud. Frühstück, Sachen packen, Wasser filtern und los. Die 15 km zur nahe gelegenen Stadt Palape hatten wir schnell hinter uns gebracht. Hier kauften wir die nötigen Grundnahrungsmittel für die nächsten Tage ein, tauschten Geld und schnell waren 1,5 Stunden rum. Wieder auf den Rädern kamen wir nicht weit, da eine Töpferei unsere Wege kreuzte. Malte steckte dort seine neugierige Nase in die Werkstatt und einige Öfen und erhöhte sein Reisegepäck um einige Kilo. Weiter ging die Fahrt, doch irgendwie lief es nicht mehr so rund. Wir kamen nicht weit und Niklas hatte den ersten Platten. Kurze Reparaturpause und es ging weiter, doch dann hatte Malte einen Platten. Im Schatten eines Baumes konnte dieser behoben werden und ein paar Bohnen füllten unsere Mägen. Trotz Düsenantrieb waren wir bald Müde und die Sonne stand tief. Eine an der Straße gelegene Farm lud zum Verweilen ein. Dass Zeltproblem war schnell geklärt und so saßen wir bald mit einer großen Packung Chibuku (unfiltriertes Sorgumbier) im Kreise der Farmerfamilie. Durch den Gedanken, die nächsten Tage nicht genug zu bekommen, schaffte es Malte noch, sich Teile des zweiten Maisbiergebindes über die Hose zu gießen. Bevor wir schlafen gingen wurden wir noch zum Ziegenmelken am nächsten Morgen eingeladen. In unserem trauten Heim angelangt legten wir uns bald ab, wurden nachts jedoch des öfteren von Vieh-, Truck- und Zuggeräuschen geweckt. Der Bauer machte sein Versprechen war und weckte uns zum Ziegenmelken.
Da es sich auch um eine wissenschaftliche Reise handelt, kontrollierte Malte an diesem Morgen ob erste Resultate seines Langzeitversuchs vorlagen. Der bloß aus körpereigen produzierten Salzkristallen, aufgetragen auf ein Baumwollgewebe, hergestellte Rückenprotektor machte erste Anstallten fest und sicher zu werden. Auch der optisch ansprechende Look läßt die Frage offen, ob man diesen Rückenschutz nicht zur Serienreife bringen sollte. Die Windschnittigkeit sollte heute erneut getestet werden. Niklas kümmerte sich derweil um lustige Muster die man erhält, wenn man seinen Körper nicht komplett der Sonne aussetzt, sondern den ein oder den anderen Teil mit irgendetwas bedeckt.
Etliche Kilometer auf und neben der Straße brachten wir hinter uns. Eine Plattenzwangspause verursacht durch Niklas’ Hinterrad und noch ein paar der Sonne ausgesetzte Minuten trennten uns noch von der Stadt. Gegen Mittag trudelten wir in Mahalape ein. Unsere Frühstückscerealien neigten sich dem Ende, sodass wir hier gleich dieses Defizit ausgleichen konnten. Auch die Wasserreserven kamen nicht zu kurz. Wir nutzen die Gelegenheit und bauten uns noch ein paar Pommes mir wirklich leckerem Salat ein. Gemütlich, vom Rückenwind getrieben stoppten wir an einer Sandpiste, die von der Hauptstraße abging. Ein paar zuvor gefragte Straßenarbeiter hatten uns erklärt, dass dort der einzige Ort im Umkreis von 30 km liegt. 2 km ab von der Straße ragten die ersten Häuser aus dem Buschwerk raus und ein paar am Straßenrand sitzende Damen fragten uns, ob wir sie nicht ins nächst gelegene Dorf fahren können. Dies war uns natürlich unmögliche, da die Drahtesel unter dem Gepäck schon ächzten und stöhnten. Wir brauchten nicht lange warten und schon trat ein freundlicher Dorfbewohner unseres Alters zu uns und lud uns zu seinem Platz ein. Durch den Tiefsand schiebend durchquerten wir gemeinsam mit ihm das halbe Dorf und gelangten schließlich zu einem Platz mit zwei Hütten. Schnell war das Zelt aufgeschlagen. Auf ein Feierabendbier gingen wir mit ihm noch in die ortsansässige Bar. Langsam stellte sich heraus, dass er etwas Besonders in diesem Ort war, denn er schien nicht so fertig wie der Rest der Dorfbevölkerung. Nach dem was er uns bei dem Bier erzählte, schlussfolgerten wir, dass er ohne Eltern aufgewachsen war. Irvin lebte gemeinsam mit seinen zwei Schwestern, einer Cousine und seiner Nichte in diesem Dorf. In der Nachbarschaft befand sich anscheinend das Hauptquartier von Nerv und Nervie, die heute besuch von Peter-Besoffnix und Kalle-Kaputnix hatten. Diese liefen wie selbstverständlich auf dem Grundstück rum und bedienten sich an Feuerholz und Wasser. Langsam begann der Zaun um deren Anwesen wirklich Sinn zu machen. Doch leider hatten seinen Nachbarn auch die Tore entdeckt. So kamen sie immer wieder an, was unserem Gastgeber gar nicht recht schien. Auf sein Geheiß ketteten wir unsere Räder noch an einen Betonpfeiler. Highlight dieses Abend war, dass wir das erste Mal Strom in unserem Zelt hatten und uns so eine zarte Vorlesestimme zum Einschlafen brachte. Von extrem lauten Dancefloor der aus der Frauenhütte erklang, wurden wir geweckt. Wir genossen mal wieder ein sehr sehr sauberes Plumpsklo. Angetrieben von den Klängen machten wir uns bald auf den Weg. Irvin brachte uns noch zur Straße, da er nicht wollte, dass uns die Dorfbewohner belästigten. Es war angenehm, jemanden dabei zu haben, der die üblichen Fragen nach woher und wohin, ja wirklich mit dem Fahrrad für uns beantwortete. Er klärte uns über das Phänomen auf, warum man in Botswana keine Radfahrer sieht: hier fahren nur ein paar alte Leute mit dem Rad.
Wieder auf der Bahn stellten sich uns ein paar Hügel in den Weg. Doch wir fuhren sie einfach über den Haufen. Als Belohnung erhielten wir eine lange, rasante, Adrenalin ausschüttende Abfahrt. Vollgepumpt mit den körpereigenen Drogen ließen wir es ruhig angehen. 30 km, 40, 50 km und endlich tauchte ein Ort auf. Hier erfrischten wir uns mit einem Kaltgetränk und versuchten herauszufinden, wie weit der nächste Ort weg war. Dies war nicht ganz einfach. Auf unsere Frage antwortete ein Mann „Achtzig“, „Wie bitte?“, „Achtzig“ und dann schon etwas genervt, „Drei, Null“, „Ah, Dreißig“, „Ja“. So machten wir uns auf den Weg um vor Einbruch der Dunkelheit dort anzukommen. Wirklich Lust verspürten wir nicht mehr so weit, also 30 oder 80 km, zu fahren, da sich langsam Abdrücke der Sättel in unseren Sitzmuskeln abzeichneten. Einige Kilometer hinter dem Dorf lag die örtliche Polizeistation. Wir fragten erneut und dabei machten wir wohl einen sehr leidigen Eindruck, sodass sich einer der Officer unser an nahm und zu seinem Haus führte, welches direkt hinter dem Polizeirevier lag. Es war noch früh am Tag und eigentlich musste er noch arbeiten, ließ es sich jedoch nicht nehmen, sich noch für ein kleines Schwätzchen mit uns in den Garten zu setzen. Um uns nicht wie Hunde vor der Tür warten zu lassen, ließ er uns auch in sein Haus und bot uns Dusche und Örtchen an. In der Hoffnung auf einen Kochtopf hatten wir uns zuvor ein paar Spaghetti gekauft, die wir nach kurzer Nachfrage auch selbstverständlich in seiner Küche zubereiten konnten. Wieder allein gelassen, genossen wir seit langem wieder mal die Möglichkeit zu Duschen. Hierbei stellten wir fest, dass ein Großteil der Bräune wirklich nur der Staub der Landstraße war, der sich durch die enorme Geschwindigkeit in unsere Poren gepresst hatte. Gemischt mit Sonnencreme und Schweiß, ergab dieser einen mediterranen Braun-Touch, der aber schnell verflossen war. Man merkte, zu viel Waschen macht die Haut eher wund.
Erfrischt machten wir uns ans Kochen, dass Resultat war eine schleimige Nudelpampe, was nicht auf unsere mangelnden Kochkünste zurückzuführen ist, sondern auf die Grundsubstanzen. Wir hatten uns 2 Tage vorher schon mal gefragt, wie man es schafft Nudeln so pampig zu kochen, aber mit den hiesigen Rohstoffen war anscheinend nichts anderes möglich.
Mit unserem noch nicht zu Ende gehörten Hörbuch machten wir es uns im Wohnzimmer bequem. Plötzlich klopfte es an der Tür und unser Kommissar steckte seinen Kopf herein. Den Gedanken, dass wir im Zelt schlafen sollten, konnte er nicht ertragen, so bot er uns sein Gästezimmer an. Schnell räumte er das Bett frei, welches, wie es sich für einen Junggesellen gehört, als Kleiderschrank diente. Auch ein 6-Pack verstaute er noch im Kühlschrank mit dem Niklas später noch Bekanntschaft machen sollte. Wieder allein gelassen verdrückten wir uns ins Bett und machten es uns dort bequem und lauschten der Vorlesestimme. Später in der Nacht stand Niklas noch mal kurz auf und von dem gerade von der Nachtschicht kommenden Inspektor wurde er zum Bier trinken genötigt. Auch der Reggae durfte dabei wieder nicht fehlen. So wurde es ein spätes Insbettgehen. Leider konnte Niklas nicht sofort einschlafen, da ein geschwollener Finger, der von einer entzündeten Wunde her rief, ihn quälte. Aber irgendwann übermannte ihn der Schlaf. Malte, der von alle dem nichts mit bekommen hatte, wachte früh am morgen auf und begab sich in die Küche um einen Kaffee zu machen. Das Bild was er im Wohnzimmer vor fand, trieb ein Lächeln in sein Gesicht. Ein Kommissar der eigentlich ein Bett hat, pennt auf dem Sofa, ein leichter Kneipengeruch machte sich breit und die ein oder andere Bierdose säumte das Sofa ein. Wieder im Schlafgemach angelangt, erklärte Niklas den Vorfall.
Da das Bett warm und gemütlich war, die Herberge unseren Wunschvorstellungen mehr als gerecht wurde, schickten wir uns an dem Kriminalisten klar zu machen, dass wir noch eine weitere Nacht bleiben wollten. Die Reste der letzten Biere im Kopf, ließen nicht mehr als ein „Relax“ aus seinen Mund ertönen. Es war also kein Problem. Den eingereichten Urlaubstag verbrachten wir mit rum hängen, Einkaufen, 2-3 Bierchen verhaften, was in diesem Haus einen ganz anderen Sinn bekam, und kochen. Hin und wieder besuchte uns der Wachtmeister und genehmigte sich eine kleine Pause vorm Fernseher. Einige Stunden vor Schichtende schien der Schutzmann keine Lust mehr auf Arbeit zu haben und kam nach Hause. Nach einem Telefonat, ein paar Bier und mittlerweile nicht mehr in Uniform, verließ er mit Schlagstock und Handschellen das Haus und teilte uns mit, dass er noch schnell wen verhaften müsse.

06.05.2008

Ohne Probleme kamen wir aus dem Bett, und da wir kein Zelt zusammenpacken mussten, bestiegen wir bald unsere Räder. Doch etwas war anders, als an den vorhergegangenen Tagen: Es war nicht nur windig sondern stürmisch. Der Sand flog uns in die Augen. Wäre er aus Richtung Süd-Süd-West gekommen, hätten wir auf den Hacken kehrt machen können und wären noch eine Nacht geblieben. So konnten wir uns aber den Druck von hinten zu Nutzen machen. Sogar an leichten Steigungen fiel das Treten leicht aus oder blieb ganz unnötig. Ein neues Gefühl von Beschleunigung ohne etwas dafür zu tun machte sich breit. Nichts desto trotz mussten wir hin und wieder treten. So kam es dann auch, dass schon auf der Zielgeraden angelangt das Tretlager von Malte immer komischere Geräusche machte und mittlerweile so eierte, dass die Tretkurbel gegen den Rahmen schlug. „Tack-tack-tack-tack“. Unterbrochen wurde dieses monotone „tack“ von den Rufen Niklas’ „Stopp!“. Er hatte es geschafft seine Kette hinzurichten. Man hätte mit dem Kettenschloss von Malte sicher das Rad von Niklas flicken können, aber was bringt ein Fahrrad für 2 Leute? Wieder einmal schien einer unserer Pläne zu scheitern. Aber zum Trübsal blasen hatten wir weder Zeit noch Lust. Wie selbstverständlich fingen wir an zu trampen und schon nach kurzer Zeit hielt ein Pick-Up der nicht nur uns sondern auch die Fahrradreste bis nach Gaborone mitnehmen konnte. Während der Fahrt überlegten wir, wie es weiter gehen könnte. Eine kurze Schadensanalyse brachte uns davon ab ernsthafte Gedanken über Ersatzteilbeschaffung und Reparatur zu machen.

Malte:Niklas:
Neues Tretlager
 
Zwei neue Mäntel
Neues Metallding, welches die Pedalen verbindet und welches im weichen Kugelbett gelagert ist
 
Neue Kette
1,5 neue Pedalen
 
Hinterradbremsanlage
Neue Mäntel
 
Bierdosenhalterung
Neuer Ersatzschlauch
 
Neuer Ersatzschlauch
Würstchenblinker


Summa summarum: zu hohe Kosten und zu hoher Aufwand um noch zwei Wochen weiter zu radeln.
Via Telefon konnten wir uns einen Schlafplatz bei dem Bruder von unserem Töpferkönig aus Musetse klar machen. Dieser holte uns nach einigem Warten dort ab, wo uns die andere Mitfahrgelegenheit verlassen hatte. Bei ihm angekommen, wurden wir ins Gartenhaus verweisen, welches uns ein Dach über dem Kopf gab. Da wir uns entschieden hatten nicht weiter zu radeln, versuchten wir ein Fahrrad wieder funktionsfähig zu machen. Maltes Rad blieb dabei auf der Strecke und wurde ausgeschlachtet. Niklas Möhre glänzt wie neu und man schien ihr die knapp 1000 km kaum anzumerken. Wieder einmal war das Essen wie selbstverständlich inklusive bei einem Unkostenbeitrag von nichts. Hinzu kam noch eine monstermäßige Rechenmaschine mit Internetanschluss, da es sich um einen Informatiker handelte. Zum ersten Mal seit dem Sudan, hatten wir eine Internetverbindung, die man als angenehm schnell bezeichnen konnte. Am nächsten Tag nach Südafrika zu trampen war leider erfolglos und nachdem wir 3 Stunden in strömenden Regen gestanden hatten und völlig durchfroren waren (ja das Wetter hatte sich in wenigen Tagen völlig verändert), verschoben wir unsere Weiterreise auf den nächsten Tag. Im Supermarkt noch ein paar Leckereien eingekauft ging es zurück in unser Gartenhäuschen. Freundlich, wie unser Informatiker war, versuchte er einen Käufer für unsere Räder zu finden. Blieb jedoch, wahrscheinlich wegen des Wochenendes, erfolglos. Mit gepackten Sachen brachen wir auf Richtung Südafrika und unser Potter-Bruder versprach sich weiter um die Räder zu kümmern und uns das Geld zukommen zu lassen, wenn er sie verkloppt hätte. Von Gaborone aus ging es nach Lobatse, weiter zur Grenze, schließlich über die Grenze und hier wurde ein kleiner Stopp eingelegt.


Nach Oben

spur

Südafrika

06.05.2007

Nach ein wenig Warten, saßen wir auf dem Bock eines LKW’s Richtung Johannesburg. Hier wollten wir Niklas’ Freundin Anna und ihre Freundin Svenja treffen, die gerade dort verweilten. Von Johannesburg aus sollte es dann mit einem kleinen Abstecher nach Namibia grob Richtung Kapstadt gehen. An einer Tankmöglichkeit am Highway in der Nähe von Jo’Burg (nicht zu verwechseln mit Jogurt) verließ uns unser Trucker. Die beiden Girls holten uns nach einer Stunde des Wartens ab. In deren derzeitiger Bleibe angelangt, ging es auch bald ins Bettchen. Viel zu früh, quasi noch halb in der Nacht, mussten wir das Haus verlassen, weil wegen so nem Sicherheitszaun, Alarmanlagenkram, das nicht ohne die Besitzer ging und diese arbeiten mussten. Nach einem Frühstück hielten wir Ausschau nach einem Packpackers für die Nacht. Als wir fündig wurden verließen uns die Beiden.
Wir nutzten den angebrochenen Tag um in einen der nahe gelegenen Konsumtempel zu gehen, wurden aber nicht wirklich fündig. Aber ein Kino warf sich uns in den Weg, so dass wir nicht anders konnten. Aber was wurde uns da geboten? Ein wirklich richtig schlechter Film. Wir hatten uns schon gewundert, warum außer uns nur 4 Damen höheren Alters die Stühle besiedelten. Selbst diese schienen keinen großen Gefallen an dem Leinwandspektakel zu haben. Wieder einmal hatten wir ein paar Cent in den Sand gesetzt. Aber dafür war es warm. Wir erledigten noch die nötigen Einkäufe für die nächsten Tage und machten uns auf den Heimweg, bevor die Dämmerung einbrach. Noch den Sandwichtoaster maltretiert und ab in die Heia. Niklas schlief sofort ein und Malte machte noch Bekanntschaft mit unserem Mitbewohner, der ihn mit völlig belanglosem Zeug vom Schlafen abhielt. Doch auch dieser machte irgendwann seinen Mund zu, sodass Malte seine Äuglein schließen konnte.

20.05.2008

Als er die Augen wieder öffnete war es bereits hell. Die super Matratzen und die erste Daunendecke seit Langem ließen uns gut und fest schlafen. Es kostete uns einige Überwindung die warmen Betten zu verlassen, da es mittlerweile nicht nur für afrikanische Verhältnisse richtig kalt geworden war.
Schnell noch ein leckeres Frühstück eingefahren und via Internet versucht etwas über die Fish-River-Canyon-Anmeldeprozedur in Namibia zu erfahren. Der sollte unser nächstes Ziel sein, um die noch verbleibende Zeit in Afrika mit ein paar Tagen wandern zu verschönern. Vom Fish-River-Canyon trennten uns noch gut 1000 km. Der Trucker, der uns bereits bis nach Jo’Burg mitgenommen hatte, war eigentlich auf dem Weg nach Namibia gewesen. Er hatte uns angeboten, mit ihm bis zum Canyon weiterzufahren. In dem Angebot war sogar eine SIM-Karte für Südafrika enthalten. Wir lehnten jedoch ab, da wir zu dem Zeitpunkt noch nicht sicher waren, ob wir wirklich mit ihm fahren würden. Leider war die Nummer die er uns gab, wohl von seiner 2. SIM-Karte, sodass wir ihn trotz etlicher Versuche nicht erreichen konnten. Mittlerweile war es Mittag geworden und somit auch sämtliche Chancen auf einen Bus Richtung Namibia passe. Wir entschlossen uns, noch eine Nacht in den guten Betten zu verweilen und am nächsten Tag Richtung Westen aufzubrechen. Da sich unser Magen mittlerweile leer anfühlte, gingen wir noch einmal Essen kaufen und bereiteten uns eine leckere Portion Nudeln. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell mit etwas Rumtelefonieren und Organisieren Zeit vernichtet wird. Nach dem leckeren Mahl versuchten wir uns an dem Etablissement eigenen Billardtisch. Wir kamen aber nicht weit, da wir schnell von zwei anderen Gästen auf eine Partie Billard in ein Pub eingeladen wurden. Die beiden verdienten ihr Geld damit, Kundinnen für Schönheitssalons zu gewinnen. Wir fuhren durch die dunkle Stadt und machten an einem Pub halt, in dem wir schnell einkehrten. Nach der ersten Runde war geklärt, dass wir den beiden weit unterlegen waren, so mischten wir die Teams. Jedoch verbrachte Maltes Partner mehr Zeit am Telefon als am Tisch. Mitten in der nächsten Runde erklärten sie uns, dass sie noch mal weg müssten und die Stimmung unter den beiden wurde aggressiver. Sie versprachen aber, dass sie uns in kurzer Zeit abholen und auch wieder zurückfahren würden. Zurückgelassen spielten wir noch eine Runde und machten dann Bekanntschaft mit dem netten Barkeeper. Sein bester Freund, der Hörnerwhisky, lachte uns aus dem Regal an. Und wer hätte es gedacht, unsere beiden Kumpels standen plötzlich vor der Tür und wollten los. Wir hatten uns schon mit dem Gedanken angefreundet ein Taxi nehmen zu müssen und brachen dann schnell auf. Keine Ahnung was in deren Köpfen los war, aber irgendwas schien komisch. So waren wir froh, wieder im Hostel angekommen zu sein. Noch geknickt von der Niederlage, wollten wir unsere Stoßkünste noch am Tisch mit den bunten Kugeln trainieren. Doch die weiße Kugel hatte sich im Tisch verkrochen und wollte einfach nicht raus kommen. Genau in diesem Moment trat einer der beiden Schönlinge ins Rampenlicht. Mit einem Schraubenzieher bewaffnet eilte er uns zur Hilfe. Und zack, waren nicht nur die weiße Kugel, sondern auch die folgenden Spiele umsonst.
Einige Runden folgten und am Ende verwischten wir unsere Spuren, indem wir die Schrauben wieder rein drehten und der Tisch verschlossen war.
Durch die dunklen Hallen ertönte der Ruf unser Betten und wir folgten ihm. Am nächsten Morgen packten wir unsern Kram zusammen und wollten auch bald los. Tagesziel Cassel. Bevor wir aufbrechen konnten, wurden wir noch Zeuge eines Telefonats unseres Hostelbesitzer. Der Inhalt des Telefonats lautete: „Fuck---fuuuuck----fuuuck---fuuck“ und endete mit einem herzlichen „Fuck you“.
Wir aber trennten uns von ihm mit den Worten „Tschüssikowski“ und fuhren zum Bus-Taxi-Stand. 2 Stunden verbrachten wir wartend in dem Mini-Bus bis dieser endlich voll war und wir los konnten Richtung Vryburg. Die gedachten 2 std. Fahrt entpuppten sich als gute 5 Stunden. Somit war auch unser Anschluss von Vryburg nach Cassel schon gefahren. Da es Klärungsbedarf gab, riefen wir bei Claire an. Eine Amerikanerin, die wir in Zambia kennen gelernt hatten und die in Cassel arbeitet. Die schlechte Nachricht war, dass sie auch keine Ahnung hatte, wie wir noch weiter kommen könnten. Schon mit dem Gedanken abgefunden die Nacht in der Stadt zu verbringen, kam freundliches Busbahnhofspersonal zur Hilfe. Mal wieder wurde irgendwer, irgendwo angerufen um wieder irgendwas zu klären, alles kein Problem, relax, und dann kam einer an, der meinte nach Cassel zu fahren. Da er nicht wusste wo wir genau hin mussten riefen wir noch einmal bei Claire an und diese sollte es ihm dann erklären. Es stellte sich heraus, dass es alte Bekannte sind. Vorher konnte er nichts mit dem Namen anfangen, da sie im Ort von der Bevölkerung einen afrikanischen Namen bekommen hatte, der Hoffnung bedeutete. 2 Stunden ging es durch die Dunkelheit wobei der Fahrer in regelmäßigen Abständen den Weg mit Bierflaschen, die aus dem offenen Fenster flogen, markierte. Als wir endlich angekommen waren, bereitete uns die Gastgeberin ein Nachtmahl und schon machten wir es uns auf dem harten Betonfußboden bequem. Wir fanden es frech, dass wir auf dem harten, kalten Boden schlafen mussten, während sie sich in ihrem Bett ausstreckte.
Nach einer kurzen kalten Nacht brachen wir gemeinsam mit der Claire nach Kuruman auf, um dort ordentlich zu frühstücken und auf die Piste Richtung Namibia zu gelangen. Leider stellte sich am Telefon heraus, dass sich Angaben innerhalb von 24 Stunden ändern können und wir jetzt ein ärztliches Attest über unseren Gesundheitszustand benötigen, um durch den Canyon wandern zu dürfen. Dieser bürokratische und zeitliche Aufwand brachte uns davon ab den weiten Weg nach Namibia zu machen. Die gute Claire hatte ein Herz und lud uns ein mitzukommen zu ihrer Freundin in Kimberley. Dankend nahmen wir das Angebot an und versuchten wieder trampend unser Glück. Das erste Fahrzeug, das nach einer halben Stunde anhielt, war ein Taxi-Bus nach Kimberley, in dem wir dann auch Platz fanden. Malte saß eingezwängt auf der Rücksitzbank und Niklas, begraben unter einem Haufen Rucksäcken, in der ersten Reihe. Alles gar kein Problem, bis er die Beatmaschine anriss. Die Loveparade war nichts dagegen. übelste Remixe sämtlicher internationaler Hits, die so schlecht abgemischt waren, dass man nur noch den Bass hörte, dröhnten aus der Bassröhre, die sich zu Maltes Freude unter der letzten Reihe befand. Zum ersten Mal waren wir froh, von der Polizei angehalten zu werden um dem Gedröhne für kurze Zeit entfliehen zu können. Ein freundliches Hallo des Kommissars, gefolgt von einigen kritischen Worten und schon durfte der Fahrer aussteigen um einiges zu zahlen. Sein Führerschein war abgelaufen und die Taxi-Lizenz beschränkte sich auf eine andere Route. Da sich bei unserem Fahrer Coolness und Pornologie in einer Person vereinigten, hatten wir kein Mitleid. Wir nutzen die Gelegenheit dem dröhnenden Kopf einen Schokoriegel zu gönnen und den Sitzmuskel dadurch zu reanimieren, ein paar Meter zu schlendern. Zurück im Bus stellten wir fest, dass ein Mädchen fehlte. Besorgt wurde sich um geguckt, das Klo wurde abgesucht und sogar unser Fahrer machte noch eine Extrarunde durch den Ort. Aber genutzt hat’s nichts. Sie blieb verschwunden. So fuhren wir mit einem freien Platz die letzten 50 km und kamen schließlich in Kimberley an. Die Freundin schien wirklich erfreut, dass wir mitgekommen waren und ihr Apartment bot weitaus mehr Komfort als die letzte Nacht. Bald waren die beiden Sofas in Beschlag genommen.
Da wir uns entschlossen hatten, Richtung Kapstadt weiter zu machen, eierten wir zum Bahnhof um Zugtickets zu besorgen. Mittlerweile haben wir das Vorhaben trampen aufgegeben. Sogar wir hatten dazu gelernt: Trampen in Südafrika kann man vergessen. Für den nächsten Tag hatten wir bald Tickets für einen Zug von Kimberley nach Kapstadt. Wieder einmal nutzen wir den Komfort eines Schlafabteils. Langsam schlenderten wir zurück und machten noch halt in einem Pub. Schnell schien uns der Besitzer in sein Herz geschlossen zu haben. Es schien für ihn das Größte zu sein, jemanden da zu haben, der ihm etwas über die Heimatstadt des Jägermeisters erzählen konnte. Er ließ es sich nicht nehmen, einen zu spendieren. Alle halbe Stunde fragte er in seinem lustigen Akzent: „Two Jäögömaistör?“. Wir blieben standhaft und schafften den Absprung kurz vorm Versacken, versprachen aber am Abend wieder zu kommen. Wieder bei den Mädels angekommen, fuhren wir uns noch eine Pizza rein, um dann dem Versprechen nachzukommen und im Gefolge einiger amerikanischer Bekannter zum Pub zu steuern. Ein nettes Gespräch mit einem schwarzen Professor wurde abrupt abgebrochen, da er wieder mit der scheiß Schwarz-Weiß-Problemtik anfing. Alle seine Argumentationen beruhten darauf, dass Weiße generell keinen Bock auf Schwarze hätten und dass Schwarze angeblich die Ursache aller Probleme sind. Ziemlich trauriges und einfaches Denken aber leider ließ er sich nicht davon abbringen. Unsere amerikanischen Freunde verließen uns, da sie noch zu einer Schulparty der Schule wollten, wo unsere Gastgeberin arbeitete. Wir blieben noch ein wenig, wollten dann aber auch los, doch, oh Schreck, es war nicht genügend Geld in unseren Taschen. Der uns durch den Jägermeister näher gekommene Barchef lud uns kurzer Hand in sein Auto, um uns zu unser Unterkunft zu fahren. Auf der Fahrt stellte er fest, dass es sich um seine alte Schule handelte und so blieb er auf der Party, wo anscheinend jeder zweite sein Kumpel war. Nachdem wir unsere Zeche bezahlt hatten, ließ er es sich wieder nicht nehmen uns das ein oder andere Getränk in die Hand zu drücken. Auch hier zeigte sich mal wieder, dass bei einigen Personen das Aggressionspotential mit jedem Bier steigt und so packte plötzlich jemand Malte grundlos bei den Haaren und wollte ihn schon vor die Tür ziehen um eine große Portion auf-die-Fresse-Suppe zu verteilen, doch unser Barmann ging dazwischen. Er erklärte sehr eindrücklich, dass wir seine Freunde seien. Es war erstmal Ruhe und wir konnten uns endlich mal wieder beim Tanzen zum Affen zu machen, da uns hier keiner kannte. Als wir endlich gehen wollten, stellte Malte fest, dass es in Südafrika einen deutschen Pass zu wenig gab. Um dieses Defizit auszugleichen, hatte sich jemand an dem Pass samt Jacke vergriffen. Ein wenig angepisst verließen wir die Lokation und gingen zu Bett. Nachdem Aufwachen, brauchten wir heute etwas länger zum packen und verließen Claire und Co um unseren Zug nach Kapstadt zu erreichen. Dieser hatte natürlich mal wieder Verspätung, also konnten wir uns in der Wartezeit noch mit leckeren Appetithäppchen für die Reise eindecken. Los ging es in brausender Fahrt in dem total bunt angemalten Zug Richtung Kapstadt. Zu erwähnen wäre noch, dass es sich in diesem Zug um die saubersten Bahntoiletten ever handelte und man sogar im sitzen kacken konnte. Wieder einmal bereicherte unser Abteil ein Afrikaner, der die Glaubensfrage klären musste. Jedoch war dies ohne jeglichen Fanatismus seinerseits möglich. Noch im Speisewagen einen Haps eingenommen und ab in die Heia. Schlauerweise hatten wir diesmal unsere eigenen Decken genommen und so konnten wir bis 10 min vor Kapstadt liegen bleiben und mussten nicht 2 std. vorher, wie in Sambia, die Betten räumen. Ja, wir waren am Ziel Kapstadt angelangt, aber irgendwie schien es ziemlich belanglos für uns. Noch immer steckte der Verlust von Gö-TZ in unseren Knochen und es wäre eine Freund gewesen, sich Kilometer für Kilometer dem Ziel zu nähern. Jetzt wurde uns richtig bewusst, dass unser Vorhaben gescheitert war. Wir hatten eine schöne Reise, jedoch war eigentlich Sinn und Zweck des Ganzen gewesen, die Strecke mit einem Multicar zu bewältigen. Das Wetter schien das Ganze noch zu untermalen, da es trüb, grau und nebelig war. Schnell verließen wir Kapstadt wieder, um die verbleibende Zeit außerhalb zu genießen. Im Camphill Village nahe Atlantis wurden wir fündig. Es handelte sich um eine Behinderteneinrichtung, in der gemeinsames Wohnen und Arbeiten im Vordergrund steht. Ein Bekannter von Niklas machte hier seinen Zivildienst. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben und dann weiter in Richtung Cedermountains zum Wandern aufbrechen. Schnell war jedoch unser Interesse geweckt und so verschoben wir unsere Abreise einen Tag nach hinten, um am nächsten Tag in der Bäckerei mitzuarbeiten. Wir kneteten und walkten Unmengen von Teig um etliche Brote herzustellen. Es war interessant nach fast einem halben Jahr mal wieder so etwas wie effektives Arbeiten als Inhalt eines Tages zu sehen. Wir machten uns gar nicht so schlecht, doch taten wir zu einem großen Teil der Belustigung bei, da unsere Knetkünste noch nicht die besten waren.
Es war für uns eine ganz neue Erfahrung mit geistig behinderten Menschen auf so engem Raum zusammen zu leben. Nach kurzer Zeit konnten wir schon Berührungsängste abbauen, jedoch war es immer wieder schwierig, wenn man wen neues, mit unbekanntem Verhalten traf, sofort unbefangen damit umzugehen. Aber irgendwie war es so spannend, dass wir die Abreise tagtäglich verschoben. Von den großen Blechen inspiriert, ließen wir es uns nicht nehmen, die Backöfen zu Pizzaöfen umzufunktionieren. Wir waren erstaunt über unsere Backkünste und so schmeckte nicht nur uns, sondern auch etlichen Dorfbewohnern, die Pizza. In der Bäckerei waren wir schnell integriert, so dass uns die Abreise bereits verboten wurde.

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